BSH

Radioaktivität des Meeres

Radioaktivität in Nord- und Ostsee

Seit den 60er Jahren werden Meerwasser, Meeresschwebstoff und Meeressediment zunächst durch das Deutsche Hydrographische Institut (DHI), seit 1990 durch das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) auf künstliche Radioaktivität untersucht. Quellen der Radioaktivität sind im Wesentlichen der Fallout der atmosphärischen Kernwaffenversuche, die Einleitungen der europäischen Wiederaufbereitungsanlagen (WAAs) für Kernbrennstoffe und der Unfall in Tschernobyl. Diese Ereignisse liegen inzwischen Jahrzehnte zurück und auch die Einleitungen der WAAs sind heutzutage nur noch sehr gering. Als Folge sind die Aktivitätskonzentrationen aller wesentlichen künstlichen Radionuklide in deutschen Gewässern nur noch sehr niedrig. In der westlichen Ostsee sind die Aktivitätskonzentrationen von Cs-137 allerdings wesentlich höher als in der Nordsee. Festzuhalten ist, dass die Aktivitätskonzentrationen natürlicher Radionuklide im Meer wesentlich höher sind als die künstlicher Radionuklide.

Überwachung seit 1961

Quelle der Radioaktivität in Nord- und Ostsee

Das DHI beziehungsweise das BSH untersuchen seit 1961 die Nord- und Ostsee regelmäßig auf künstliche radioaktive Inhaltsstoffe. Es werden ebenfalls Untersuchungen im Nordostatlantik und im Europäischen Nordmeer durchgeführt. Der Fallout der atmosphärischen Kernwaffenversuche hat in den 50er und 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts die Meeresumwelt weltweit kontaminiert. Auch heute noch stellt diese Quelle den bei weitem größten Beitrag zum globalen Inventar an künstlichen Radionukliden. In späteren Jahren wurden zunächst die Nordsee durch Einleitungen der WAAs in Großbritannien und Frankreich und dann die Ostsee durch den Unfall in Tschernobyl massiv kontaminiert.

Aktuelle Situation

Mittlerweile ist die Kontamination der Nordsee auf einem historischen Tiefstand. Das ist eine Folge der immer geringer werdenden Einleitungen und der günstigen hydrographischen Bedingungen. Die Situation in der Ostsee unterscheidet sich davon jedoch grundlegend. Durch den sehr geringen Wasseraustausch über die dänischen Meerengen verbleiben sämtliche Schadstoffe sehr lange in der Ostsee. Dies gilt auch für den Eintrag von radioaktivem Cäsium infolge des Unfalls in Tschernobyl.
Bei den Sedimentuntersuchungen lässt sich feststellen, dass die Oberflächensedimente der Ostsee wesentlich höhere spezifische Aktivitäten an Cs-137 aufweisen als diejenigen der Nordsee. Ursache ist primär die in der Ostsee verbliebene Kontamination durch den Unfall in Tschernobyl. Dieser Effekt wird noch verstärkt durch den hohen Anteil an feinkörnigem Material in einigen ruhigen Buchten.
Gesundheitliche Beeinträchtigungen durch den Verzehr von Fisch oder anderen Meeresprodukten sind jedoch nicht zu befürchten. Die resultierenden Dosen sind nur ein kleiner Bruchteil der Dosis aus der natürlichen Strahlenbelastung.

Cs-137 als Leitnuklid

Das Radioaktivitäts-Messnetz des BSH misst und überwacht kontinuierlich die radioaktiven Stoffe im Meer. BSH-Forschungsschiffe führen parallel dazu nuklidspezifische Untersuchungen des Meerwassers, der Schwebstoffe und der Sedimente durch. Cs-137 nimmt dabei unter den künstlichen Radionukliden eine Sonderstellung ein, weil es als langlebiges Radionuklid mit einer Halbwertszeit von 30 Jahren als Leitnuklid im Meerwasser verwendet wird. Es stellt im Meer das dosisrelevanteste Radionuklid dar. Es wird mit den Meeresströmungen über weite Strecken verfrachtet und trägt zur Kontamination der Nahrungskette des Meeres wesentlich bei.