BSH

OffChEm – Stoffliche Emissionen aus Offshore-Windanlagen

Mögliche Einflüsse auf die marine Umwelt und deren Bewertung

Der fortschreitende Ausbau der Offshore-Windenergie in der Nord- und Ostsee ist gleichbedeutend mit einem stärker werdenden Eingriff in die Meeresumwelt. So sind derzeit bereits mehr als 1.000 Offshore-Windkraftanlagen und mindestens 20 Konverter- und Umspannplattformen errichtet. Jede Offshore-Installation stellt einen Eingriff in die Meeresumwelt dar. Kaum untersucht sind bisher stoffliche Freisetzungen dieser Anlagen. Hier sind vor allem die notwendigen Maßnahmen zum Korrosionsschutz und der Einsatz von Betriebsstoffen zu nennen. Wissenschaftliche Erkenntnisse über die freigesetzten Mengen und deren Verteilung in den jeweiligen Umweltkompartimenten (Wasser, Sediment, Biota) sind derzeit nur wenig vorhanden. Eine umfassende Bewertung der Auswirkungen auf die marine Umwelt ist nach aktuellem Kenntnisstand daher nur eingeschränkt möglich.

Korrosionsschutz im Fokus

Zum Schutz der Offshore-Anlagen vor Korrosion werden galvanische Anoden (sogenannte „Opferanoden“) eingesetzt, wodurch große Mengen an Metallverbindungen (insbesondere Verbindungen von Aluminium und Zink) im Laufe des Anlagenbetriebs kontinuierlich in die Meeresumwelt eingetragen werden. Neben den Hauptbestandteilen enthalten galvanische Anoden auch weitere metallische Nebenbestandteile (zum Beispiel Indium, Blei, Cadmium sowie andere Schwermetalle), die beim Abschmelzen der Anoden ebenfalls in die Meeresumwelt eingetragen werden. Zudem werden im Offshore-Bereich vielfältige Beschichtungsmaterialien auf Polyurethan beziehungsweise Epoxidharzbasis als Oberflächenkorrosionsschutz eingesetzt. Diese Beschichtungen können organische Substanzen enthalten, die im Laufe der Betriebszeit durch Verwitterung der Oberflächen und Auswaschung aus den Beschichtungen in die Meeresumwelt eingetragen werden. Sie stellen somit eine weitere potentielle Belastungsquelle für Nord- und Ostsee dar.

Ziele des Projekts

Im Rahmen des BSH Vergabeprojektes untersucht das Helmholz-Zentrum Geesthacht zusammen mit dem BSH folgende Aspekte:

  • Identifikation von potentiellen organischen und anorganischen (Schad-)Stoffen, die durch den Korrosionsschutz von Offshore-Anlagen einen relevanten Eintrag in die Meeresumwelt haben könnten.
  • Entwicklung von analytischen Methoden und geeigneten Probenahmestrategien zur Bestimmung des Eintrages der potentiellen Stoffe in den verschiedenen Kompartimenten im Nahbereich von Offshore-Anlagen.
  • Aus- und Bewertung der Relevanz der ermittelten potentiellen Schadstoffe auf Grundlage ihrer stofflichen Emissionen aus Offshore-Anlagen und ihres Einflusses auf die lokale und regionale Meeresumwelt.