Im Deutschen Ozeanographischen Datenzentrum (DOD) werden die Messdaten der deutschen Forschungsschiffe archiviert, die ältesten
Daten reichen bis ins vorvorige Jahrhundert zurück.
Der geschichtsträchtige Schiffsname "METEOR" kennzeichnet die deutsche Meeresforschung und von den verschiedenen deutschen Forschungsschiffen gleichen
Namens sind große Datensätze im DOD archiviert und stehen der Wissenschaft zur Verfügung.
Hier soll das 6. Schiff dieses Namens, das am längsten der Seevermessung und Forschung treu blieb, in Erinnerung gerufen werden. [gekürzte Fassung
aus: Nieder, Fritz.; Schroeder Willy: Seevermessung - 25 Jahre im Deutschen Hydrographischen Institut (1945-1970), DHI, Hamburg 1971] Es wurde am 26.2.1914
auf der Kaiserlichen Werft in Danzig auf Kiel gelegt, lief am 18.1.1915 vom Stapel und war als Kanonenboot vorgesehen. Der 1. Weltkrieg sowie politische
Hindernisse und Geldschwierigkeiten behinderten den Ausbau zu dem späteren Vermessungs- und Forschungsschiff. Die Deutsche Seewarte war 1919 aufgefordert
worden,
Bilder aus: Nieder, Fritz.; Schroeder Willy: Seevermessung - 25 Jahre im Deutschen Hydrographischen Institut (1945-1970), DHI, Hamburg
1971
den Plan für wissenschaftliche Untersuchungen auf einer
2-jährigen Reise um die Welt umzusetzen. Der Ausbau und die endgültige
Fertigstellung erfolgte dann auf der Reichsmarinewerft in Wilhelmshaven,
wo am 15. November 1924 das Vermessungsschiff ,,METEOR" unter dem Kommandanten
Kapt. zur See Fritz Spieß in Dienst gestellt werden konnte.
Ausgerüstet mit 2 Kolbenmaschinen, betrug der Aktionsradius 5 000 sm.
Eine Hilfsbesegelung mit einer Raa-Takelung sollte die Fahrtstrecke
verlängern.
Nach umfangreichen Vorbereitungen für die ,,Deutsche Atlantische Expedition"
mit einer Vor-expedition vom 20.1.1925 bis 17.2.1925 bis in die Höhe
von Teneriffa und zurück, begann am 16. April 1925 das große
wissenschaftliche Unternehmen von 2 1/4 Jahren.
Die wissenschaftliche Leitung stand unter der Führung von Prof. Dr.Alfred
Merz, Direktor des Instituts für Meereskunde. Am 13. Juni 1926 wurde
Prof.Merz wegen einer schweren Erkrankung in Buenos Aires in das Deutsche
Hospital eingeliefert, wo er am 25. August 1926 verstarb.
Die Gesamtleitung der Deutschen Atlantischen Expedition wurde auf einstimmigen
Beschluss des wissenschaftlichen Stabes dem Kommandanten, Kapitän zur
See Fritz Spieß übertragen. Er wurde nach Durchführung der
Reise dafür zum Dr.h.c. ernannt. Es wurden 13 Lotprofile zwischen Afrika
und Südamerika mit 67 000 Echolotungen bei einer Gesamtfahrstrecke von
67 535 sm (3-facher Erdumfang) gelegt.
Am 24.2.1926 erreichte das Schiff auf 63°51´ Süd,
05°16´ Ost den südlichsten Punkt seiner Reise. Bei Tiefen
von 4 000 Metern fand ,,METEOR" mit dem Lot am 18.2.1926 auf
48°16'Süd, 8°16´ Ost eine Bank mit geringsten Tiefen
bis zu 560 m. Dieses Gebiet wurde systematisch abgelotet und wies eine
Ausdehnung, von der 1 000 m-Tiefenlinie an gerechnet, von ca. 50 x 14 sm
auf. Sie erhielt den Namen ,,Meteor-Bank". Die Magellan-Straße wurde
vom 11.1.1926 - 21.1.1926 durchsteuert. ,,METEOR" lief am 2.6.1927 in
Wilhelmshaven ein. Diese Expedition lieferte eine Fülle von
wissenschaftlichen Ergebnissen, deren Verarbeitung noch weitere Jahre in
Anspruch nahm und dessen wissenschaftlicher Teil seinen Niederschlag im
großen ,,METEOR-Werk" fand.
Als Dank und Anerkennung für die erfolgreiche Tätigkeit auf der
mit manchen Strapazen versehenen Reise, wurde dem Schiff, der Besatzung und
den eingeschifften Wissenschaftlern von der Notgemeinschaft der Deutschen
Wissenschaft die Erinnerungsmedaille ,,Deutsche Atlantische Expedition ,,METEOR"
1925 - 1927" verliehen.
Nach dieser großen Expedition folgten Grönlandfahrten von 1928
- 1935 in Verbindung mit Fischereischutz. Im Winterhalbjahr 1933/34 erfolgte
der Umbau von Kohlenkessel auf Dieselmotoren und Veränderungen am Oberdeck.
1937 - 1938 wurde die Nordatlantische Expedition, welche die
Profilanschlüsse an die erste große Reise nach Norden fortsetzte,
durchgeführt.
1938 fand die Golfstrom Expedition statt. Auf dieser Reise wurde auf
29°58´ Nord, 28° 38' West eine Unterwassererhebung gefunden,
deren geringste Tiefe 269 m beträgt. Das Gebiet wurde systematisch abgelotet
und zeigte eine Ausdehnung, von der 1 000 m Tiefenlinie an gerechnet, von
ca. 35 x 40 sm. Die umliegenden Tiefen sind 4 000 m und tiefer. Diese Erhebung
war höher und größer als die erste gefundene ,,Meteor-Bank"
und wurde deshalb ,,Große-Meteor-Bank" getauft.
Im Sommer 1939 erledigte ,,METEOR" bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges
Vermessungsarbeiten in der Nordsee. Am 8. September 1939 mußte das
Schiff in Wilhelmshaven außer Dienst gestellt und die Besatzung an
andere Flotteneinheiten zum Kriegseinsatz abgegeben werden. Eine erneute
Indienststellung erfolgte am 2.4.1940 für den Befehlshaber der
Ostseestreitkräfte. In Aarhus, Dänemark wurde ,,METEOR" stationiert.
Seine weitere Verwendung führte es am 31.12.1942 nach Norwegen -
Polarküste, Vardö-Kirkenes, dann in die Neustädter Bucht,
nach Eckernförde und 1945 nach Kiel.
Hier vollzog sich im November 1945 die Abgabe an die UdSSR. Da die Sowjets
keine rechte Verwendung für das Schiff fanden, wurde es am 17.6.1946
in Travemünde an das DHI zurückgegeben. ,,METEOR" wurde nun wieder
zur Durchführung von Vermessungsaufgaben in der Ost- und Nordsee
ausgerüstet und dazu 5 sowjetische Offiziere als Beobachter eingeschifft.
Noch im November d.J. mußte auf Beschluß des Alliierten Kontrollrates
das Schiff erneut an die Sowjets ausgeliefert werden. Die UdSSR reihte ,,METEOR"
für Vermessungszwecke unter dem Namen ,,EKVATOR" in seine Flotteneinheiten
ein und verschrottete es im November 1968.
Die von diesen Reisen im DOD vorhandenen Daten sind in der folgenden Tabelle
aufgeführt (Größere Vermessungs- und Forschungsfahrten):
16.04.1925 -02.06.1927 Deutsche Atlantische Expedition.
Profile von 20° N - 63° S zwischen Afrika - Südamerika
Ref-Nummer
Fahrtdauer
Fahrtleiter
Stationen
im
DOD
19880140
27.01.1925 bis 10.02.1925
Prof. Dr.Alfred Merz
10
19880141
29.04.1925 bis 12.07.1925
Prof. Dr.Alfred Merz
58
19880142
29.07.1925 bis 27.08.1925
Prof. Dr.Alfred Merz
73
19880143
20.09.1925 bis 26.10.1925
Prof. Dr.Alfred Merz
61
19880144
12.11.1925 bis 08.12.1925
Prof. Dr.Alfred Merz
41
19880145
28.12.1925 bis 09.03.1926
Prof. Dr.Alfred Merz
101
19880146
02.05.1926 bis 04.06.1926
95
19880147
02.07.1926 bis 13.08.1926
73
19880148
28.08.1926 bis 27.09.1926
Kapitän zur See Fritz Spieß
156
19880149
14.10.1926 bis 29.10.1926
Kapitän zur See Fritz Spieß
80
19880150
11.11.1926 bis 02.12.1926
Kapitän zur See Fritz Spieß
96
19880151
16.12.1926 bis 11.01.1927
Kapitän zur See Fritz Spieß
115
19880152
31.01.1927 bis 20.02.1927
Kapitän zur See Fritz Spieß
89
19880153
02.03.1927 bis 05.04.1927
Kapitän zur See Fritz Spieß
139
19880154
20.04.1927 bis 08.05.1927
Kapitän zur See Fritz Spieß
73
26.07.1928 - 04.09.1928 Grönlandreise
Ref-Nummer
Fahrtdauer
Fahrtleiter
Stationen
im
DOD
19760068
13.08.1928 bis 30.08.1928
297
29.07.1929 - 06.09.1929 Island - Grönland
20.02.1953 - 05.05.1933 Island - Grönland
07.08.1933 - 22.09.1933 Island - Grönland - Jan Mayen