Logo des Bundesamtes fuer Seeschifffahrt und Hydrographie    
 

Der Einfluß des Windes und der Luftdruckschwankungen auf die Gezeiten

   
 
 

 

Der Wind und die Luftdruckschwankungen rufen im Meere Strömungen und Wasserstandsänderungen hervor, die zu den Gezeitenströmen und den Gezeiten hinzutreten, so daß die gesamte Wasserbewegung mehr oder minder von den bloßen Gezeitenerscheinungen abweicht. Wo diese Abweichungen in der Regel verhältnismäßig klein bleiben, spricht man kurz, wenn auch nicht ganz zutreffend, von einer Beeinflussung der Gezeiten und Gezeitenströme durch den Wind und die Luftdruckänderungen. Diese meist kurzfristig wechselnden Beeinflussungen können in langfristige Gezeitenvorausberechnungen, wie sie die Gezeitentafeln enthalten, nicht mit einbegriffen werden. Mit der Möglichkeit, daß die tatsächlichen Eintrittszeiten und Höhen der Hoch- und Niedrigwasser von den vorausberechneten um kleinere und gelegentlich auch um größere Beträge abweichen, muß daher stets gerechnet werden. 

Die Abweichungen in Höhe können an der deutschen Nordseeküste ein ungewöhnliches Ausmaß erreichen. Als eine allgemeine Regel gilt hier, daß auflandige Winde, also Winde aus südwestlicher bis nördlicher Richtung, eine Erhöhung der Wasserstände hervorrufen, Winde aus den entgegengesetzten Richtungen dagegen eine Erniedrigung. Die stärksten Erhöhungen (Sturmfluten) treten ein, wenn beim Durchzug eines Sturmtiefs durch die nördliche Nordsee der Wind von Südwest über West drehend schließlich auf nordwestliche Richtung umspringt. Die windbedingten Erhöhungen der Hochwasser bei Sturmfluten haben von 1825 an bis zu 4 m betragen. Die stärksten Erniedrigungen der Hochwasser kommen bei anhaltenden starken Südostwinden vor und betragen etwa bis zu 3m. Als Ergänzung zu den Gezeitentafeln gibt das Bundesamt für Seeschiffahrt und Hydrographie viermal täglich Vorhersagen mit den Beträgen heraus, um die das nächstfolgende Hochwasser an der deutschen Nordseeküste (einschließlich Emden, Bremen und Hamburg), auch unter Berücksichtigung der meteorologischen Verhältnisse, vom mittleren Hochwasser abweichen wird. Für die deutschen Bezugsorte ist das mittlere Hochwasser (MHW) in den Darstellungen der mittleren Tidenkurven in den Gezeitentafeln für das Jahr 1999 Europäische Gewässer angegeben. Die Vorhersagen werden über Radiosender und über das Internet verbreitet. Bei Gefahr außergewöhnlicher Erhöhungen oder Erniedrigungen werden diese Vorhersagen als "Sturmflutwarnungen" oder "Warnungen an die Schiffahrt" angekündigt (vergl. Nautischer Funkdienst Band I, Sprechfunk für Küstenschiffahrt und Jachtfunkdienst Nord- und Ostsee).

Das Ausmaß der Sturmfluten nimmt westlich der deutschen Nordseeküste nach der niederländischen, belgischen und südenglischen Küste hin ab. An der niederländisch-belgischen Küste gelten Erhöhungen der Hochwasser um 2,0 m bis 2,5 m, bei Dover und bei Southend (Themse-Mündung) bereits solche um 1,5 m als schwere Sturmfluten. Auch diese Sturmfluten treten beim Durchzug eines Sturmtiefs durch die nördliche Nordsee auf, wenn die Nordsee im Bereich nördlicher Winde liegt, also keineswegs überall bei auflandigen Winden. Die stärksten Erniedrigungen in der südlichen Nordsee werden beobachtet, wenn ein kräftiges Tief nordwestlich von Irland liegt und über der Nordsee starke südliche Winde herrschen. Vorwiegend in der westlichen und südlichen Nordsee können Erhöhungen und Erniedrigungen der Wasserstände auch durch meteorologische Einflüsse hervorgerufen werden, deren Ursprung außerhalb der Nordsee liegt. Ursächlich hierfür ist rascher Druckanstieg, der einem kräftigen atlantischen Tiefdruckgebiet, das nördlich der Nordsee vorbeizieht, folgt. Ein solches Drucksystem erzeugt unter bestimmten Bedingungen eine lange Welle (Fernwelle), deren Fortschrittsgeschwindigkeit etwa der der Gezeitenwelle entspricht. Diese Welle durchläuft die Nordsee entgegen dem Uhrzeigersinn dem Küstenverlauf folgend und überlagert sich der in gleicher Richtung laufenden Gezeitenwelle. Ihre Höhe nimmt entlang der schottischen und englischen Ostküste bis in das Mündungsgebiet der Schelde von Norden nach Süden zu, danach dann aber wieder ab. Bislang wurden bei Aberdeen, beim Eintritt der Welle in die Nordsee, Erhöhungen bis zu etwa 1,0 m beobachtet. Etwa gleiche Werte traten auch im Bereich der deutschen Nordseeküste auf.

Allgemein ist der Einfluß des Windes auf die Wasserstände am stärksten in Seichtwassergebieten, während er auf tieferem Wasser wahrscheinlich innerhalb mäßiger Grenzen bleibt.

Mehr zu diesen und anderen Faktoren finden Sie bei: "Wie entstehen Gezeiten?"

Gezeitenvorausberechnungen

Übersicht Erklärungen

Suche


Wenn Sie Informationen zu bestimmten Begriffen suchen, können Sie sich hier alle Seiten anzeigen lassen, die diese Begriffe enthalten.





Verknüpfung der Begriffe mit

Druckversion

Seite drucken

Kontakt


Wenn Sie noch Fragen haben, wenden Sie sich bitte an (Herrn) Dr. Sylvin Müller-Navarra, Telefon 040 3190 - 3110

Links

Mehr dazu auf www.bsh.de:
Begriffserläuterungen
Informationen zum neuen Seekartennull (PDF)
Baden & Meer
Strömungen
Wasserstand
Meeresoberflächentemperatur

Externe Links:
Niederlande
Dänemark
Belgien
Grossbritannien

English Version

 
go...
 
 © 2014 Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie Aktualisiert am: Sep 29, 2010 10:48:33 AM  
 Druckversion Home • English Version • Kontakt • Hilfe • Informationsfreiheitsgesetz • Impressum