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Das Seekartennull in Gezeitengebieten

   
 
 

 

Normalnull (NN)
Die Angaben der Landkarten über die Höhen der Bodenerhebungen sind auf eine überall waagerecht verlaufende Fläche, eine sog. Niveaufläche, bezogen. In den verschiedenen Staaten sind diese Nullflächen zwar im allgemeinen nicht genau in der gleichen Höhe festgesetzt, doch weicht eine solche Nullfläche gewöhnlich nur wenig vom mittleren Wasserstand an der Küste des betreffenden Staates ab; eine Ausnahme bildet z.B. Belgien, wo die Nullfläche erheblich tiefer liegt. Die Fläche des mittleren Wasserstandes verläuft entlang der Küste im allgemeinen nicht genau waagerecht. - In Deutschland sind die Höhenangaben der Landesvermessung auf das sog. Normalnull (NN) bezogen, dessen Lage durch eine Anzahl Höhenfestpunkte in der Nähe von Potsdam festgesetzt ist. An der deutschen Nordseeküste weicht das Normalnull nur um geringe Beträge vom mittleren Wasserstand ab.

Seekartennull (SKN)
Anders als die Landkarten verzeichnen die Seekarten von Gezeitengebieten nicht etwa den Abstand des Grundes von einer Niveaufläche oder der Fläche des mittleren Wasserstandes, sondern sie geben die Wassertiefen an, die bei einem besonders niedrigen Niedrigwasser noch verbleiben. Je größer der mittlere Tidenhub an einem Ort ist, um so tiefer liegt dieses Niedrigwasser unterhalb des mittleren Wasserstandes oder unterhalb des Landesvermessungsnulls an der Küste, z.B. bei Wilhelmshaven rund 2,7 m, bei Cuxhaven rund 2,1 m, bei List rund 1,5 m. Dieses besondere Niedrigwasser, auf das die Tiefenangaben der Seekarten bezogen sind, wird als Seekartennull (SKN) bezeichnet und ist im allgemeinen von Staat zu Staat verschieden ausgewählt. Die deutschen Seekarten von ausländischen Gewässern übernehmen jedoch das dort eingeführte Seekartennull, und in den übrigen Staaten wird bei der Herausgabe der Seekarten fast ausnahmslos in der gleichen Weise verfahren, so daß also deutsche und fremde Karten für das gleiche Gebiet auch die gleichen Tiefen angeben. Da die Genauigkeit der Lotungen mit wachsender Tiefe abnimmt, werden größere Wassertiefen nicht mehr auf ein Seekartennull bezogen; dieses spielt also nur im Bereich der Küsten eine Rolle. Je tiefer das Seekartennull an einem Ort festgesetzt ist, um so seltener fällt das Wasser unter das Seekartennull. Da bei den Festsetzungen des Seekartennulls jedoch nur die astronomischen Ursachen der Gezeiten berücksichtigt werden, muß besonders in solchen Gebieten, wo auch die meteorologischen Umstände starken Einfluß auf die Wasserstände haben, stets mit der Möglichkeit gerechnet werden, daß einzelne Niedrigwasser tiefer eintreten als das Seekartennull.
Informationen zum neuen Seekartennull ab 2005.

Schiffahrtspegel
An verschiedenen Orten der deutschen Nordseeküste sind für die Zwecke der Schifffahrt besondere Pegel aufgestellt, deren Nullpunkt mit dem örtlichen Seekartennull übereinstimmt, so daß die abgelesenen Wasserstände als Höhen unmittelbar zu den Tiefenangaben der Seekarten hinzugefügt werden können. Diese "Schifffahrtspegel" werden in der Seekarte als Wasserstands-Signalstellen, SS (Wss-S.) bezeichnet. Alle übrigen Pegel heißen Betriebs- oder in der Seekarte Schreibpegel; ihre Nullpunkte liegen gewöhnlich 5 m unter dem Normalnull, so daß die Anzeige eines Betriebspegels zu den Tiefenangaben der Seekarten nicht unmittelbar in Beziehung gesetzt werden darf.

Die Seekartennullpunkte der Europäischen Staaten, gültig für die jeweiligen Hoheitsgewässer:

GUS (Weißes Meer und Murmanküste):
Seekartennull ist gleich dem örtlichen niedrigstmöglichen Niedrigwasser, das nach einem bestimmten Verfahren ermittelt wird.
Norwegen:
Seekartennull ist etwa gleich dem örtlichen niedrigstmöglichen Gezeitenwasserstand (Lowest Astronomical Tide, LAT), nur im südlichen Seegebiet wurde ein Seekartennull festgelegt, das etwa 2-3 dm tiefer als LAT liegt.
Schweden:
Seekartennull ist in der Regel gleich dem mittleren Wasserstand.
Dänemark:
Seekartennull westlich von Skagen ist gleich dem örtlichen mittleren Springniedrigwasser, östlich von Skagen gleich dem mittleren Wasserstand.
Deutschland (Nordseeküste):
Seekartennull im Seegebiet vor der deutschen Nordseeküste einschließlich der Watten und Ästuare ist gleich dem örtlichen niedrigstmöglichen Gezeitenwasserstand (Lowest Astronomical Tide, LAT). Im Tideflussbereich der Ems, Jade, Weser und Elbe ist das Seekartennull in Anlehnung an den niedrigstmöglichen Gezeitenwasserstand unter Berücksichtigung des Oberwassereinflusses stufenweise festgelegt.
Niederlande:
Seekartennull an der Küste ist gleich dem örtlichen sog. mittleren niedrigeren Springniedrigwasser (gemiddeld laaglaagwaterspring, LLWS), das als mehrjähriges Mittel aus den jeweils niedrigsten Springniedrigwassern der einzelnen Monate berechnet ist. Diese Festsetzung gilt auch für die Wester und Ooster Schelde. Auf dem Nieuwe Rotterdamsche Waterweg beginnt an der Mündung ein als OLW (overeengekomen lage waterstand) bezeichnetes Seekartennull, das mit dem LLWS bei Hoek van Holland übereinstimmt und den allmählichen Übergang bildet zu dem OLR (overeengekomen lage rivierstand) im weiter oberhalb gelegenen Teil von Lek und Waal; dieser OLR wird durchschnittlich nur an etwa zwanzig Tagen im Jahr unterschritten.
Belgien:
Seekartennull ist gleich dem örtlichen mittleren niedrigeren Springniedrigwasser .
Frankreich (Nord- und Westküste):
Seekartennull ist gleich dem örtlichen niedrigstmöglichen Niedrigwasser, wie es sich nach den französischen Unterlagen zur Berechnung der Gezeiten ergibt. Auf der Seine bis Rouen sind die Tiefen auf eine waagerechte Bezugsfläche (Niveaufläche) bezogen, die mit dem gewöhnlichen Seekartennull bei Le Havre übereinstimmt.
Spanien:
Seekartennull ist gleich dem örtlichen niedrigstmöglichen Gezeitenwasserstand (Lowest Astronomical Tide, LAT).
Portugal:
Seekartennull liegt etwa 0-2 dm unter dem örtlichen niedrigstmöglichen Gezeitenwasserstand (Lowest Astronomical Tide, LAT).
Großbritannien, Nordirland und Irland:
Seekartennull ist gleich dem örtlichen niedrigstmöglichen Gezeitenwasserstand (Lowest Astronomical Tide, LAT.).
Kroatien:
Seekartennull ist gleich dem örtlichen  mittleren niedrigeren Springniedrigwasser (Lower Low Water Springs, LLWS).

Gezeitenvorausberechnungen

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Begriffserläuterungen
Informationen zum neuen Seekartennull (PDF)
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 © 2010 Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie Aktualisiert am: Dec 15, 2005 12:45:40 PM  
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