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MURSYS - Ostsee retrospektiv

   
 
 

Hydrographische-chemische Zustandseinschätzung der Ostsee im Jahre 2005 (Kurzfassung)

  Institut für Ostseeforschung, Warnemünde;
im Auftrage des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie, Hamburg, Rostock

(http://www.io-warnemuende.de)

(Diese Zusammenfassung wurde auch als sog. Nationaler Kommentar an HELCOM übermittelt)

Der Winter 2004/2005 war, bezogen auf den gesamten Ostseeraum, ein mittelkalter Winter, und nach 1995/1996 und 2002/2003 der drittkälteste Winter der vergangenen Dekade. Die maximale Eisbedeckung der Ostsee lag mit 177 000 km² bei 82 % des langjährigen Mittelwerts von 215 000 km² seit 1720. Der kälteste Winter der letzten Dekade 2002/2003 wies eine Eisbedeckung von 232 000 km² auf. An der deutschen Ostseeküste wurde dagegen nur ein schwacher Eiswinter registriert. Das zeigt auch die Kältesumme der Lufttemperatur des Winters für Warnemünde von 32, die deutlich unter dem langjährigen Mittel von 112 lag. Lediglich der März war zu kalt. Das Jahr 2005 war global gesehen das zweitwärmste seit Beginn der Aufzeichnungen 1861 und folgte direkt auf 1998. Getrennt nach Hemisphären war 2005 das wärmste Jahr bisher überhaupt auf der Nordhalbkugel und das viertwärmste auf der Südhalbkugel. Auch in Warnemünde lag die Wärmesumme des Sommers mit 188 über dem langjährigen Mittel von 143. Das ist Platz 13 in der Reihe seit 1947, wobei die beiden Spitzenreiter die Jahre 1997 und 2002 mit der jeweils gleichen Wärmesumme von 294 waren. Nur der August 2005 fiel deutlich zu kalt aus.
Die meteorologischen Bedingungen spiegeln sich auch in der Wasseroberflächentemperatur wider. Das Jahr 2005 war in der Wasseroberflächentemperatur gekennzeichnet durch vergleichsweise warme Monate Januar, Juli sowie Oktober, November und Dezember und war im Jahresmittel das wärmste Jahr des Untersuchungszeitraumes. Der Januar gehörte nahezu in der gesamten Ostsee nach 2001 zu den wärmsten seit 1990. Auch der Februar lag über dem Mittelwert der letzten 15 Jahre. Bereits im Juli wurden mit Werten um 20 °C die höchsten Wasseroberflächentemperaturen im Jahresverlauf gemessen. Diese Beobachtung konnte seit 1990 nur noch im Jahre 2001 gemacht werden, ansonsten war immer der August der wärmste Monat des Jahres.
Während der Salzgehalt im Tiefenwasser der zentralen Ostsee seit 1993 mit Unterbrechungen (wie auch 2005) systematisch ansteigt, zeichnet sich eine Trendumkehr der Aussüßung des Oberflächenwassers erst seit 2002/2003 ab und hat sich 2005 wiederum fortgesetzt.
Herausragende Einstromereignisse fanden in der Ostsee 2005 nicht statt, weil die starken Winterstürme zu Beginn des Jahres jeweils nur zu kurz andauerten. Die Verhältnisse im Tiefenwasser der zentralen Ostsee waren noch immer geprägt durch die Nachwirkungen der warmen und kalten Einströme 2002 und 2003.
Besonders der Salzwassereinbruch vom Januar 2003 führte zu einer nachhaltigen Verbesserung der Sauerstoffsituation in den Tiefenbecken der Ostsee. Bereits 2004 musste jedoch ein deutlicher Rückgang der Sauerstoffkonzentrationen und der Beginn einer neuer Stagnationsperiode konstatiert werden. Diese Entwicklung setzte sich auch im Jahr 2005 fort. So wurde im Bornholmbecken Ende August in Bodennähe mit -3,12 ml/l die höchste bisher berichtete Schwefelwasserstoffkonzentration gemessen. Auch im östlichen Gotlandbecken nahm die Mächtigkeit der sauerstofffreien Schicht kontinuierlich zu. Zum Jahresende 2005 war bereits die gesamte Wassersäule unterhalb 150 m anoxisch. In Bodennähe wurde ein negativer Sauerstoffwert von –3,75 ml/l gemessen. Im westlichen Gotlandbecken machen sich die Salzwassereinströme noch deutlich verzögerter und mit geringerer Wirkung bemerkbar. Wenngleich im Tiefenwasser des Landsorttiefs und des Karlsötief gelegentlich geringe Sauerstoffkonzentrationen gefunden wurden, konnte eine durchgreifende Verbesserung der Situation nicht beobachtet werden. Zum Jahresende zeigten beide Gebiete wieder anoxische Bedingungen.

Die Winterphase wird zur Beschreibung von Nährstofftrends im Oberflächenwasser genutzt. In allen Seegebieten der zentralen Ostsee wurden hohe Phosphatwinterkonzentrationen beobachtet. Sie sind vergleichbar mit den Befunden des Jahres 1993. Die dazwischen liegenden Jahre wiesen geringere Konzentrationen auf. Die winterlichen Nitratkonzentrationen liegen dagegen im Bereich der letzten Jahre, nachdem 2004 die niedrigsten Werte seit 15 Jahren registriert wurden.
Besonders hohe Phosphatwerte wurden im Bornholmbecken, aber auch im Bereich des Karlsötiefs gemessen. So wurde im Februar ein Maximalwert von 1,14 µmol/l gefunden. Ähnlich hohe Konzentrationen wurden letztmals Mitte der 1980er Jahre gemessen. Die Ursache ist darin zu sehen, dass das Phosphat, im Gegensatz zur normalen Entwicklung, im Sommer 2004 nicht verbraucht wurde. Zusammen mit der herbstlichen Mineralisation hatte dies zur Folge, dass im winterlichen Oberflächenwasser extrem hohe Phosphatwerte gemessen wurden. Nach der Frühjahrsblüte wurden im Mai 2005 noch 0,5 - 0,6 µmol/l Phosphat gefunden. Bis zum Sommer war ein weiterer Phosphatrückgang zu beobachten, jedoch sanken die Werte nur in Ausnahmefällen unter 0,3 µmol/l. Damit steht zu erwarten, dass die Phosphatwinterkonzentrationen im Bornholbecken im Jahr 2006 ebenfalls sehr hoch sein werden.
Die gemessenen Winterkonzentrationen wirken sich auch auf die molaren N/P Verhältnisse aus. Diese lagen im winterlichen Oberflächenwasser des Landsorttiefs und des Farötiefs bei 5,1. Der niedrigste Wert wurde mit 3,0 im Bornholmbecken beobachtet. Sie befinden sich damit, ähnlich wie im Vorjahr, deutlich unter dem langjährigen Mittelwert und weit entfernt vom klassischen Redfield-Verhältnis. Somit waren ideale Bedingungen für die Entwicklung von Blaualgen im Sommer gegeben. Während im gesamten östlichen, nördlichen und westlichen Gotlandbecken, im Finnischen Meerbusen und auch in der südlichen Bottensee 2005 extrem starke Cyanobakterienblüten beobachtet wurden, kam es im Bornholmbecken zu keiner nennenswerten Entwicklung von Blaualgen, obwohl vergleichbare meteorologische Bedingungen herrschten. Die Ursachen für diese Entwicklung sind noch zu klären.

Der vollständige Bericht wurde auch veröffentlicht in der Reihe "Meereswissenschaftliche Berichte" des IOW als Bericht Nr. 66, zu finden im Internet unter:
(http://www.io-warnemuende.de/documents/mebe66_2005-zustand-hc-und-schwermetalle.pdf)

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 © 2017 Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie Aktualisiert am: 11.03.2009 09:47:03  
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