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MURSYS - Ostsee retrospektiv

   
 
 

Hydrographische-chemische Zustandseinschätzung der Ostsee im Jahre 2003 (Kurzfassung)

  Institut für Ostseeforschung, Warnemünde;
im Auftrage des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie, Hamburg, Rostock

(http://www.io-warnemuende.de)

Der Winter 2002/2003 war nach fünf milderen Wintern in Folge ein mittelkalter Winter. Er war der schwerste nach 1995/1996 und der zweitschwerste nach 1986/1987. Folgerichtig lag auch die maximale Eisbedeckung der Ostsee mit 232 000 km² ca. 10 % über dem langjährigen Mittel. Auf Grund des sehr kalten Dezembers 2002 erfolgte die Abkühlung des Wassers sehr rasch, so dass die langjährigen Mittelwerte der Wassertemperatur in der zentralen und nördlichen Ostsee schon im Januar deutlich unterschritten wurden. Mit Ausnahme des Oktobers waren ab März alle Monate zu warm, die Sommermonate Mai bis August mit mindestens 2 °C sogar deutlich über dem Langzeitmittel. Der Sommer war damit nach 1997 und 2002 zumindest in der südlichen Ostsee der drittwärmste seit 1890, was sich auch in den Oberflächentemperaturen widerspiegelte. In der östlichen Gotlandsee und im Finnischen Meerbusen wurden im Juli Temperaturen bis 25 °C gemessen, positive Anomalien bis +5 K wurden im Bottnischen Meerbusen erreicht.

Das wichtigste Ereignis für die Ostsee im Jahr 2003 war der intensive, kalte und sauerstoffreiche Einstrom von Kattegatwasser im Januar. Mit dem Einstrom wurden ca. 200 km³ Wasser in die Ostsee transportiert, die zu einem Gesamtimport von etwa 2 Gt (2 x 1012 kg) Salz führten. Diese Wasser- und Salzmengen entsprechen etwa dem halben Betrag des letzten großen Einstroms von 1993 und stellen Rang 25 in der Liste der stärksten Einströme seit 1897 dar. Die Wirkung des Salzwassereinbruchs wurde durch kleinere Einströme im März und Mai verstärkt, da Arkona- und Bornholmbecken schon mit dichtem Wasser gefüllt waren und eine schnelle Ausbreitung zu den zentralen Becken möglich war. Mit diesen Einströmen wurde die seit 1995 anhaltende Stagnationsperiode beendet.

Der Einstrom hatte bereits Anfang Februar das gesamte Bornholmbecken erfasst, wo er das warme Wasser des Warmwassereinstroms vom Sommer 2002 verdrängte. Dieses erreichte das östliche Gotlandbecken im März ehe die durchgreifende Belüftung durch den Kaltwassereinstrom Ende April registriert werden konnte. Im Mai wurden in Bodennähe 3.96 ml/l Sauerstoff gemessen. Ähnlich hohe Konzentrationen wurden bisher nur zweimal, in den 1930er Jahren und im Mai 1994 beobachtet. In der 2. Jahreshälfte kündigten Veränderungen in der Temperatur und im Salzgehalt auch im westlichen Gotlandbecken das Eintreffen des Einstroms an, wenngleich die hydrochemischen Parameter dies nur indirekt widerspiegelten. Die Wassererneuerung war im Bornholm- und östlichen Gotlandbecken mit massiven Veränderungen im Nährstoffregime des Tiefenwassers verbunden: die Phosphat- und Ammoniumkonzentrationen gingen stark zurück, Nitrat reicherte sich in Folge von Nitrifikationsprozessen an.

Ähnlich wie 2002, verursachte die ruhige und sehr warme Sommersituation zwischen Juni und August auch 2003 an der Darßer Schwelle einen bodennahen Einstrom von warmem, salzigem Wasser aus dem Kattegat bei gleichzeitiger genereller Ausstromlage, wenngleich mit kürzerer Dauer. Die Auswirkungen sind erneut bis ins östliche Gotlandbecken zu verfolgen.

Den vollständigen Bericht finden Sie im Internet unter:
(http://www.bsh.de/de/Meeresdaten/Beobachtungen/MURSYS-Umweltreportsystem/PDF/osretro022004.pdf (1,77 MB))

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