Logo des Bundesamtes fuer Seeschifffahrt und Hydrographie    
 

MURSYS - Nordsee retrospektiv

   
 
 

Biologische Bedingungen in der deutschen ausschließlichen Wirtschaftszone der Nordsee im Jahre 2009 (Zusammenfassung)

  Leibniz-Institut für Ostseeforschung, Warnemünde;
im Auftrage des
  Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie, Hamburg•Rostock

(http://www.io-warnemuende.de)

Dr. Norbert Wasmund, Dr. Lutz Postel, Dr. Michael L. Zettler

Das Jahr 2009 war das zweite Jahr, in dem das biologische Monitoring im deutschen offshore- Bereich (meistens AWZ) der Nordsee durch das IOW im Auftrage des BSH durchgeführt wurde. Es wurde das Phytoplankton (einschließlich Chlorophyll a), Mesozooplankton und Makrozoobenthos an 12 Stationen (bei Benthos 13 Stationen) untersucht (Abbildung 1). Das Plankton wurde auf 5 Fahrten (Januar, März, Mai/Juni, September, November 2009), das Benthos lediglich auf der Frühjahrs- und Herbstfahrt beprobt.

Im Phytoplankton wurden 138 Taxa gefunden, von denen die meisten zu den Kieselalgen gehörten. Im Vergleich zum Vorjahr sind aus unserer Liste 34 Taxa verschwunden, aber 44 neue hinzugekommen. Die geringste Vielfalt wurde im Januar festgestellt (37 Taxa), die größte im September (102 Taxa). Die fünf Proben pro Jahr und Station zeigen deutliche jahreszeitliche Unterschiede, erlauben aber keine Diskussion der Phytoplanktonsukzession. Die höchsten Phytoplankton-Biomassen traten im allgemeinen im Frühjahr und Sommer auf (siehe Chlorophyll a, Abbildung 1). Der Spitzenwert der Chlorophyll a-Konzentration wurde mit 18,3 mg/m³ am 29.5.2009 an der Station SYLT1 in 1 m Wassertiefe gemessen. Die unangenehme Blüten bildende Gattung Phaeocystis trat in unseren Proben viel weniger auf, aber der potentiell toxische Flagellat Chrysochromulina spp. hat zugenommen. Fundierte Aussagen zu Phytoplanktonblüten lassen sich aufgrund der geringen Datendichte aber nicht machen. Die bedeutendsten Arten bezüglich Biomasse waren die großzelligen Arten Coscinodiscus wailesii, Noctiluca scintillans, Odontella sinensis und Rhizosolenia styliformis.

Im Mesozooplankton wurden 143 Taxa aus zwölf Stämmen bzw. einem Unterstamm registriert. Die Zahl überstieg die vom Vorjahr um 26. Es gab 95 Wiederfunde. Die verbleibende Differenz ergab sich aus dem Wegfall von Taxa zugunsten detaillierter Bestimmungen, durch Zugänge infolge einer Verbesserung beim Durchmustern der Gesamtprobe sowie durch zufällige Veränderungen im Spektrum weniger erfasster Arten.
Ökologische Schlussfolgerungen aus dem Wechsel der Taxa waren nicht ableitbar. Die Cladocere mit lusitanischer Herkunft Penilia avirostris scheint in der Nordsee etabliert zu sein. Im Verlauf des Jahres schwankte die über die Wassersäule gemittelte Zooplanktonabundanz zwischen ca. 300 Ind./m³ vor Amrum im November und 33.000 Ind./m³ im Mai 2009 südwestlich von Helgoland. Die Werte lagen um eine Größenordnung unter denen der Ostsee. Die Ursache liegt mit Blick auf den Jahresgang in den hohen Ostsee-Konzentrationen im Mai und im Sommer. Sie werden regelmäßig zu diesen Zeiten durch mikrophage Organismen, durch Rotatorien (im Mai) und Cladocera (im August) erzeugt, die es in der Nordsee nicht in diesem Maße gibt. Die unterschiedliche Maschenweite der in Nord- und Ostsee benutzten Netzte (200 bzw. 100 µm) ist vergleichsweise zu vernachlässigen.

Im Makrozoobenthos wurden im Frühjahr und Herbst 2009 im deutschen offshore-Bereich (meistens AWZ) der Nordsee an 13 Stationen insgesamt 259 Taxa festgestellt. Die Artenzahlen schwankten zwischen den Stationen und Beprobungsterminen zwischen 24 (vor Amrum) und 80 (Doggerbank und nordwestliche Deutsche Bucht) (Abbildung 2). Mit insgesamt 105 Arten stellte sich die Station auf der Doggerbank als artenreichste (Frühjahr und Herbstbeprobung zusammengefasst) heraus.
Während die eher flachen und exponierten Bereiche vor Amrum und Sylt mit niedrigen Abundanzen besiedelt waren (maximal 500 Ind./m²), wurden in den tieferen Bereichen der Nordsee höhere Dichten beobachtet. Maximale Werte von 1.500 bis 2.500 Ind./m² wurden an der Station südwestlich der Weißen Bank, der zentralen Nordsee und der Doggerbank jeweils im Frühjahr registriert (Abbildung 3). Welche Art jeweils die Individuendichte dominierte, variierte zum Teil erheblich. Mit 50 bis 60 % die höchsten Dominanzen erreichten Magelona johnstoni, Myriochele oculata und Nephtys caeca. Die Glänzende Nussmuschel Nucula nitidosa trat hauptsächlich in den tieferen Bereichen der Deutschen Bucht häufig auf. Hervorzuheben sei außerdem die hohe Individuendichte des Lanzettfischchens Branchiostoma lanceolatum, welches im Herbst im Elbe-Urstromtal (URST3) 460 Ind./m² erreichte.

Die aschefreie Trockenmasse variierte an den Stationen zwischen 1,06 g/m² an der Station AMRU2 (vor Amrum) im Herbst und 62 g/m² an der Station ENTE3 (Entenschnabel) in der zentralen Nordsee im Frühjahr (Abbildung 4). Der hohe Wert war bedingt durch das Vorkommen adulter Islandmuscheln (Arctica islandica), die die Biomasse erheblich dominierten. Die an den Stationen biomassedominierenden Gruppen oder Arten sind recht unterschiedlich. Sowohl Muscheln wie die Amerikanische Scheidenmuschel (Ensis directus) als auch Seeigel (Echinocardium cordatum) und Polychaeten (Lanice conchilega, Nephtys caeca und Nephtys hombergii) zeigten die größten Biomassen an den unterschiedlichen Stationen.

Mit Hilfe der Clusteranalyse konnten zwei Gruppen voneinander unterschieden werden, die sich maßgeblich auf Grund der unterschiedlichen Wassertiefe und Sedimentbeschaffenheit und der einhergehenden unterschiedlichen benthischen Besiedlung voneinander trennten.

Von der Roten Liste konnten 44 Arten der Kategorien: 2 (stark gefährdet), 3 (gefährdet), R (sehr selten), G (Gefährdung anzunehmen), V (Vorwarnstufe) während dieser Studie nachgewiesen werden, wobei die Wellhornschnecke Buccinum undatum der Kategorie 2 (stark gefährdet) angehört und vier weitere Arten der Kategorie 3 (gefährdet) zuzuordnen sind.

Abbildung 1: Regionale Verteilung der Chlorophyll a-Konzentration auf den Messfahrten, GIF-Graphik: 61 KB

Abbildung 1: Regionale Verteilung der Chlorophyll a-Konzentration (mg/m³) auf den Messfahrten

Abbildung 2: Artenzahlen des Makrozoobenthos an den 12(+1) Monitoringstationen separiert nach Frühjahrs (F) - und  Herbstbeprobung (H) 2009, GIF-Graphik: 16 KB

Abbildung 2: Artenzahlen des Makrozoobenthos an den 12(+1) Monitoringstationen separiert nach Frühjahrs (F) - und Herbstbeprobung (H) 2009
(Stationsabkürzungen siehe Abbildung 1)

Abbildung 3: Individuendichte des Makrozoobenthos an den 12(+1) Monitoringstationen im Frühjahr (F) und Herbst (H) 2009, GIF-Graphik: 15 KB

Abbildung 3: Individuendichte des Makrozoobenthos an den 12(+1) Monitoringstationen im Frühjahr (F) und Herbst (H) 2009
(Stationsabkürzungen siehe Abbildung 1)

Abbildung 4: Aschefreies Trockengewicht des Makrozoobenthos an den 12(+1) Monitoringstationen im Frühjahr (F) und Herbst (H) 2009, GIF-Graphik: 12 KB

Abbildung 4: Aschefreies Trockengewicht (AFTM) des Makrozoobenthos an den 12(+1) Monitoringstationen im Frühjahr (F) und Herbst (H) 2009
(Stationsabkürzungen siehe Abbildung 1)

MURSYS - Startseite MURSYS - Nordsee alphabetisch MURSYS - Ostsee alphabetisch
MURSYS - aktuell MURSYS - retrospektiv MURSYS - Archiv

Suche


Wenn Sie Informationen zu bestimmten Begriffen suchen, können Sie sich hier alle Seiten anzeigen lassen, die diese Begriffe enthalten.





Verknüpfung der Begriffe mit

Druckversion

Seite drucken

Kontakt


Wenn Sie noch Fragen haben, wenden Sie sich bitte an die MURSYS-Redaktion, Telefon 040 3190 - 3523

Links


Mehr dazu auf www.bsh.de:
MUDAB
DOD
BLMP

English Version

 
go...
 
 © 2017 Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie Aktualisiert am: 08.05.2013 14:47:39  
 Druckversion

Home • English Version • Kontakt • Hilfe •  Informationsfreiheitsgesetz • Bundesgremienbesetzungsgesetz • Impressum