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MURSYS - Nordsee retrospektiv

   
 
 

Biologische Bedingungen in der deutschen ausschließlichen Wirtschaftszone der Nordsee im Jahre 2008 (Zusammenfassung)

  Leibniz-Institut für Ostseeforschung (IOW), Warnemünde an der Universität Rostock
im Auftrage des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH), Hamburg, Rostock

(http://www.io-warnemuende.de/)

Dr. Norbert Wasmund, Dr. Lutz Postel, Dr. Michael L. Zettler

Der Original-Bericht wird in der Reihe Meereswissenschaftliche Berichten (Marine Science Reports) des Instituts für Ostseeforschung Warnemünde publiziert:
Wasmund, N., L. Postel, und M. Zettler (2009): Biologische Bedingungen in der deutschen ausschließlichen Wirtschaftszone der Nordsee im Jahre 2008. Meereswiss. Ber.,Warnemünde,79, 1-68 (link dazu siehe unten):

Im Jahre 2008 wurde erstmalig ein biologisches Monitoring im deutschen offshore-Bereich (meistens AWZ) der Nordsee durch das IOW im Auftrage des BSH durchgeführt. Es wurde das Phytoplankton (einschl. Chlorophyll a), Mesozooplankton und Makrozoobenthos an 12 Stationen untersucht (Abbildung 1). Das Plankton wurde auf 5 Fahrten (Februar, März/April, Mai, August, Oktober), das Benthos lediglich auf der Frühjahrs- und Herbstfahrt beprobt.

Im Phytoplankton wurden 128 Taxa gefunden, von denen die meisten zu den Kieselalgen gehörten. Die geringste Vielfalt wurde im Februar festgestellt (20 Taxa), die größte im Oktober (81 Taxa). Die 5 Proben pro Jahr zeigen deutliche jahreszeitliche Unterschiede, erlauben aber keine Diskussion der Phytoplanktonsukzession. Die höchsten Phytoplankton-Biomassen traten im allgemeinen im Frühjahr und Sommer auf. Der Spitzenwert der Chlorophyll a-Konzentration wurde mit 12,33 mg/m³ am 30.5.2008 an der Station BRIFF gemessen. Im selben Gebiet, vor der Insel Borkum, wurde am 2.4.2008 eine Phaeocystis-Blüte mit 17,3 Mill. Zellen/L gefunden. Fundierte Aussagen zu Phytoplanktonblüten lassen sich aufgrund der geringen Datendichte aber nicht machen. Die bedeutendsten Arten bezüglich Biomasse im Untersuchungsgebiet waren Noctiluca scintillans, Rhizosolenia styliformis und Guinardia flaccida (Tabelle 1).

Die Beprobung des Zooplanktons erfolgte innerhalb der deutschen ausschließlichen Wirtschaftszone auf fünf Terminen zwischen Februar und November 2008. Auf zwölf Stationen wurden durch vertikale WP-2 Netzhols (200 µm) über die gesamte Wassersäule insgesamt 57 Proben gewonnen. Die sukzessive Abfolge und die Größenordnung der maximalen Abundanz für verschiedene Ernährungstypen calanoider Copepoden entsprach auf der Station, die der Insel Helgoland am nächsten gelegenen war, etwa dem dortigen langjährigen Mittel. Das spricht für die Güte der Messungen.
Insgesamt wurden 113 Zooplankton-Taxa aus zwölf Stämmen bzw. einem Unterstamm notiert. Das waren etwa dreimal mehr als 2008 in der Ostsee zwischen der Beltsee und der zentralen Gotlandsee festgestellt wurden. Die größte Vielfalt in der Planktonfraktion besaßen mit 58 Taxa die Crustacea. Von zwölf Stämmen und dem Unterstamm der Crustacea waren in Abhängigkeit von den Reproduktionsmodi nur die Plathelminthes und die Nemertea nicht ganzjährig anzutreffen.
Räumlich gesehen, veränderte sich im August die Anzahl der Arten in der für Ästuarien typische Weise. Mit zunehmender Entfernung von den Flussmündungen (Elbe, Weser) ging zunächst die Anzahl der Arten auf ein Minimum zurück, um dann in Richtung offene Nordsee wieder anzusteigen. Dabei verringerte sich zunächst der Anteil von euryhalinen Taxa, z.B. die Gattung Acartia. Im Gegenzug wuchs der Anteil an marinen Vertretern, wie von Para-/Pseudocalanus und von Oithona. Das Artenminimum lag nordwestlich von Helgoland. Während im August die Flussmündungsfahne der Elbe, charakterisiert durch niedrigen Salzgehalt und höhere Chlorophylla-a-Konzentration, nordwärts setzte, war das Zooplankton-Abundanzmaximum westlich von Helgoland anzutreffen. Das lässt vermuten, dass hier kein sukzessiver Zusammenhang bestand und das Zooplankton aus westlicheren Gebieten stammt. Das wurde durch das Auftreten der mediterranen Arten Penilia arivirostris in dieser Zone unterstrichen.
Bezüglich der Adulti der calanoiden Copepoden waren, wie in der Ostsee, die Acartia-Arten numerisch am meisten präsent. Insgesamt ergab sich eine Summe der Maxima von etwa 20.000 Ind./m³ gegenüber von 25 - 30 Tausend Ind./m³ aus der Ostsee. Demzufolge lag der Trophiegrad der Ostsee leicht über dem der Nordsee.

Im Makrozoobenthos konnten insgesamt 218 Taxa festgestellt werden. Die Artenzahlen schwankten zwischen den Stationen und Beprobungsterminen zwischen 23 (vor Amrum) und 65 (Nordwestliche Deutsche Bucht). Mit insgesamt 82 Arten stellte sich die Station auf der Doggerbank als artenreichste (Frühjahr und Herbstbeprobung zusammengefasst) heraus. Während die eher flachen und exponierten Bereiche vor Amrum und Sylt mit geringen Abundanzen besiedelt waren (maximal 200 Ind./m²), wurden in den tieferen Bereichen der Nordsee höhere Dichten beobachtet. Maximale Werte von 3.000 bis 4.000 Ind./m² wurden an der Station südwestlich der Weißen Bank und in der zentralen Deutschen Bucht jeweils im Frühjahr registriert. Welche Art jeweils die Individuendichte dominierte, variierte zum Teil erheblich. Arten mit hohem Anteil an der Gesamtabundanz an den einzelnen Stationen waren die Muscheln Corbula gibba und Nucula nitidosa, die Polychaeten Lanice conchilega, Owenia fusiformis, Nephtys caeca und Magelona mirabilis, der Amphipode Bathyporeia elegans, der Hufeisenwurm Phoronis sp. und der Schlangenstern Amphiura filiformis.
Die aschefreie Trockenmasse variierte zwischen 1,82 g/m² an der Station westlich der Weißen Bank im Frühjahr und 20,77 g/m² an der Station nördlich Borkum. Die an den Stationen biomassedominierenden Gruppen oder Arten sind recht unterschiedlich. Sowohl Muscheln wie Ensis directus als auch Seeigel (Echinocardium cordatum) und Polychaeten (Lanice conchilega, Nephtys caeca und Nephtys hombergii) zeigten die größten Biomassen an den unterschiedlichen Stationen. Die Monitoringstationen repräsentieren 5 der 8 für den deutschen Bereich der Nordsee beschriebenen benthischen Lebensgemeinschaften. Von der Roten Liste (RACHOR 1998) konnten 34 Arten der Gefährdungskategorien 1, 3, G, V während dieser Studie nachgewiesen werden, wobei Upogebia stellata der Kategorie 1 (vom Aussterben bedroht) angehört und vier weitere Arten der Kategorie 3 (gefährdet) zuzuordnen sind.

Abbildung 1: Die Stationen des Biologischen Monitorings in der deutschen AWZ der Nordsee, GIF-Graphik: 14 KB

Abbildung 1: Die Stationen des Biologischen Monitorings in der deutschen AWZ der Nordsee

Tabelle 1, PDF-Datei, 117  kB

Tabelle 1: Die 10 wichtigsten Phytoplankton-Taxa (in Prozent der Phytoplankton-Biomasse) in den oberen 10 m der Wassersäule während der drei Fahrten von März/April, Mai, August und November 2008 an den 12 Untersuchungsstationen.
Zu Beginn jedes Blocks ist die entsprechende durchschnittliche Phytoplanktonbiomasse (in µg/l) angegeben. Unspezifische Taxa ("Unbestimmte", "Dinophyceae", "Gymnodiniales", "Peridiniales", "Centrales", "Pennales") wurden aus dieser Liste gelöscht, wenn sie jeweils <10 % ausmachten, zugunsten nachfolgender identifizierter Taxa.

Der vollständige Bericht ist im Internet zu finden unter:
(http://www.io-warnemuende.de/tl_files/forschung/meereswissenschaftliche-berichte/mebe79_2010-zustand-bio-nordsee.pdf)

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