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MURSYS - Nordsee retrospektiv

   
 
 

"System Nordsee" - Zustand der Nordsee 2005 im Kontext langzeitlicher Entwicklungen
Neuer BSH-Bericht ist online

  Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH), Hamburg•Rostock

Erst kontinuierliche Beobachtungen des Meereszustandes über längere Zeiträume ermöglichen es, grundlegende Änderungen zu identifizieren und Wechselwirkungen im Gesamtsystem Nordsee zu verstehen. Die nun vom BSH vorgelegte Studie "System Nordsee" bietet interdisziplinäre Analysen zur langzeitlichen Veränderlichkeit des miteinander verflochtenen atmosphärischen, ozeanographischen und chemischen Zustands anhand der Interpretation und Bewertung des umfassend dokumentierten Nordseezustands im Jahr 2005.
Der Zustand der Atmosphäre steuert die Veränderlichkeit des physikalischen Nordseezustands. Erstmals enthält die Studie eine Analyse der langzeitlichen Entwicklung der Sturmfrequenz im Nordseeraum. Zu den wichtigsten klimarelevanten Ergebnissen der Langzeitanalysen zählen die geringe Sturmhäufigkeit in den letzten Jahren und die Verschiebung der Sturmsaison vom Herbst in den Winter.

Im Abschnitt Meeresphysik werden die wichtigsten ozeanographischen Zustandsgrößen zu Meeresströmung, Seegang, Wasserstand, Temperatur und Salzgehalt diskutiert.
Die langzeitliche Jahresdurchschnittstemperatur der Nordseeoberfläche veränderte sich. Sie stieg von knapp 10 °C in den achtziger Jahren in abrupten Sprüngen auf zur Zeit 11 °C. Bis Mitte der 1990er Jahre bestand ein enger Zusammenhang zwischen der Jahresmitteltemperatur des Nordseewassers und der Wintertemperatur. Seitdem wirken die Sommertemperaturen prägend. Ursachen und Hintergründe sind noch unbekannt.

Das Kapitel Meereschemie enthält neben dem um eine Langzeitanalyse der Flussfrachten erweiterten Nährstoffabschnitt Beiträge zur Belastung der Nordsee mit organischen Schadstoffen, Spurenmetallen und radioaktiven Stoffen.
Bei der Überdüngung des Meeres zeigt sich in weiten Teilen der Nordsee ein Rückgang. Die sichtbarsten Phänomene wie massive Schaumbildung und großflächiger Sauerstoffmangel treten kaum noch auf. Allerdings sind die Nährstoffkonzentrationen insbesondere im Küstenwasser der Deutschen Bucht noch zu hoch. So stagnieren die Phosphatkonzentrationen hier seit den neunziger Jahren auf einem doppelt so hohen Niveau wie die natürlichen Hintergrundwerte. Die Nitratkonzentrationen zeigen sogar noch ein Vierfaches des natürlichen Hintergrundwertes an.
Erfolgreich waren die Verbote klassischer Pestizide wie zum Beispiel Lindan. Die Konzentrationen befinden sich mittlerweile auf sehr niedrigem Niveau. Die Nordsee wird nur noch durch Altlasten in den Flusseinzugsgebieten oder durch atmosphärischen Transport von Übersee belastet. Besorgniserregend ist dagegen die Zunahme moderner langlebiger Pestizide.
Langfristig positiv bemerkbar gemacht haben sich die Reduktionsmaßnahmen bei den Emissionen von Cadmium, Quecksilber, Blei und Zink. Die Konzentrationen dieser Spurenmetalle im Meerwasser waren bis etwa 1990 stark rückläufig; allerdings stagnieren sie seitdem. Wie lange erhöhte Schadstoffeinträge nachgewiesen werden können, zeigen die Gebiete der Dünnsäureverklappung nahe Helgoland. Trotz Beendigung der Einbringung im Jahr 1989 befinden sich die Konzentrationen von Eisen, Blei, Zink und Arsen im Sediment auf unverändert hohem Niveau.

Die Studie "System Nordsee" ist im Internet sowohl als Zusammenfassung als auch als Vollversion abrufbar unter:
(http://www.bsh.de/de/Produkte/Buecher/Berichte_/Bericht44/index.jsp)

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 © 2017 Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie Aktualisiert am: 08.05.2013 14:47:39  
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