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MURSYS - Nordsee retrospektiv

   
 
 

Zusammenfassung der biologischen Parameter

 

Vorhandene Berichte :   
2003   
Januar-Juni 2004  ,   Juli-Dezember 2004   
Januar-Juni 2005  ,   Juli-Dezember 2005   
Januar-Juni 2006  ,   Juli-Dezember 2006   

Juli
bis
Dez.
2006

Zusammenfassung der biologischen Parameter für das 2. Halbjahr 2006

Niedersächsische Küste

Die Probenahmen entlang der ostfriesischen Küste zur Kontrolle blütenbildender und toxischer Algen an sieben küstennnahen Stationen durch den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) begannen Mitte Juli. Während des gesamten Beprobungszeitraumes von Mitte Juli bis Anfang Oktober wurden nie bedenkliche Mengen von Vertretern toxischer oder HAB (Harmful Algal Bloom) bildender Phytoplanktonarten gefunden.

Die Kieselalge Pseudonitzschia sp. nahm von Mitte bis Ende Juli stark zu und erreichte örtlich Höchstwerte bis zu 88.000 Indiv./L.. Von Anfang August bis Anfang September wurden dann sehr hohe Dichten erreicht, an einzelnen Stationen wurden bis zu 240.000 Indiv./L. gefunden. Zum Ende September kam es zu einem drastischen Rückgang der Anzahlen auf 1200 bis 6300 Indiv./L.. Anfang Oktober konnte Pseudonitzschia sp. an einzelnen Stationen noch einmal auf bis zu 33.000 Indiv./L. ansteigen.
Der ungiftige Dinoflagellat Dinophysis rotundata trat mit jeweils 100 Indiv./L. Ende Juli an der Station Accumer Ee und Mitte August in der Jade (Alte Mellum) auf. Anfang September kam es bei den Stationen Accumer Ee, Voslapp und Alte Mellum zu leicht steigenden Anzahlen (100 bis zu 200 Indiv./L.) des DSP (=Diarrhetic Shellfish Poisoning) verursachenden toxischen Dinoflagellaten Dinophysis acuminata, der aber ab Ende September nicht mehr nachgewiesen werden konnte.
Die zu den Prymnesiophyceae gehörende Schaumalge Phaeocystis globosa zeigte Anfang Juli an der Osterems deutlich erhöhte Koloniezahlen von 97 Kolonien/L, war aber Ende Juli kaum noch nachweisbar und blieb auch bis zum Ende des Kontrollzeitraums im gesamten Untersuchungsgebiet unauffällig.
Noctiluca scintillans (Meeresleuchttierchen), ein heterotropher Dinoflagellat, der kein Toxin produziert, erreichte Anfang Juli Individuendichten von 139 bis 407 Indiv./L., war danach aber rückläufig bis hin zu 5 - 22 Indiv./L. im Oktober.
Der Ciliat (Wimpertierchen) Myrionecta rubra trat erst ab Ende Juli, dann mit erhöhten Anzahlen (1.800 Indiv./L. in der Jade) in Erscheinung. Bis Anfang September nahmen die Zahlen aber rasch ab; an verschiedenen Stationen waren den August über höchstens 100 - 200 Indiv./L. vertreten. Ende September stiegen die Zahlen an einzelnen Stationen noch mal auf 300 bis 400 Indiv./L.. an, bevor Myrionecta rubra im Oktober nicht mehr nachzuweisen war.
Mikroflagellaten der Gattung Chrysochromulina sp. blieben unauffällig und erreichten über den Untersuchungszeitraum an einzelnen Stationen meist nur Dichten zwischen 1.000 und 4.000 Indiv./L.. Lediglich Anfang August trat Chrysochromulina sp. im östlichen Teil des Untersuchungsgebietes mit bis zu 9.000 Indiv./L. etwas häuiger auf und erreichte Anfang bzw. Ende September im östlichen Bereich bzw. an der Osterems örtlich Anzahlen bis zu 7.000 Indiv./L..

Helgoland Reede

Im Juli wurde der Kohlenstoffgehalt des Phytoplanktons zwischen 190 und 75 µg C/dm³ geschätzt. Bei den Diatomeen waren Leptocylindrus danicus (Maximum am 20.7. mit 79,7 µg C/dm³), Pseudo-nitzschia seriata s.l., Rhizosolenia imbricata, Chaetoceros debilis und andere kleine Chaetoceros-Arten wichtig (Saison-Maximum von Chaetoceros socialis am 24.7. mit 6,6 µg C/dm³). Bei den Flagellaten gab es höhere Kohlenstoff-Werte durch unbestimmte kleine Dinoflagellaten (Maximum am 31.7. mit 7,2 µg C/dm³) und Ceratium fusus.
Im August erreichten die Phytoplankton-Bestände zwischen 25 und 120 µg C/dm³. Die Diatomeen Guinardia delicatula, Pseudo-nitzschia seriata s.l. und Rhizosolenia hebetata semispina lieferten größere Beiträge zum Kohlenstoff-Gehalt, bei den Flagellaten waren es zeitweise kleine Dinoflagellaten und Ceratium furca (Maximum 16,2 µg C/dm³ am 7.8.). Dazu kam Myrionecta rubra (Maximum am 28.8. mit 20,0 µg C/dm³).
Im September stieg der Phytoplankton-Bestand in der Monatsmitte noch auf 80 bis 100 µg C/dm³. Dabei waren die Diatomeen Guinardia delicatula, Odontella sinensis, Chaetoceros debilis und Eucampia zodiacus von Bedeutung, bei den Flagellaten war es Prorocentrum triestinum (Maximum am 11.9. mit 35,2 µg C/dm³).
Anfang Oktober sank der Phytoplankton-Bestand auf Schätzwerte unter 15 µg C/dm³ ab, bei vielen Phytoplankton-Arten mit geringen Zellzahlen und höheren Wassertemperaturen als 2005.

Vergleich zu Vorjahren für Arten, die in höheren Konzentrationen oder mit toxischen Varianten erscheinen können, Zahlen der Zellen/dm³:
Pseudo-nitzschia seriata s.l.:
2006: Mai - Oktober, Maximum 369 000 (3.7.).
2005: Juli bis Oktober, Maximum 98 000 am 22.8..
2004: Juni bis Oktober in kleineren Zahlen, Maximum 7 600 (7.9.)
Ceratium furca:
2006: Juni - Oktober, Maximum 4 040 am 7.8..
2005: (Juli), August - Oktober, Maximum 2 300 (12.9.).
2004: Juli - Oktober, bis 2 800 (22.9.)
Ceratium fusus:
2006: Ende April - Juni, August, September, Maximum 2 900 (31.7.). Zahlen kleiner als
2005: (März, April, Mai), Juni - Juli, (August, September), Maximum 26 000 (11.7.) und
2004: Juli - Oktober, bis 5 400 (3.8.).
Ceratium longipes (+ horridum):
2006: Wenige Zellen von April bis September.
2005: Juli - September, Maximum 360 am 12.9., geringe Zahlen wie:
2004: September - Oktober, bis 280 (12.10.)
Dinophysis acuminata:
2006: Mai - Oktober, Maximum 1 160 am 12.6., zahlreicher als
2005: von Mai bis Oktober in mäßigen Konzentrationen, Maximum 360 am 22.8..
2004: (Mai, Juni) Mitte August - Oktober, Maximum 640 am 24.8..
Noctiluca scintillans:
2006: Ende Mai - Anfang August, Maximum am 24.7.: 972. Zahlreicher als
2005: Mai - August (September), bis 312 (15.8.) und
2004: Maximum am 3.8.: 590.
Phaeocystis globosa:
2006: Mitte April - Anfang Oktober, Maximum 723 000 (29.5.), geringer als
2005: Maximum 1 526 000 am 7.6. und
2004: Maximum 10 493 000 am 11.5..
Prorocentrum micans:
2006: ab Ende Mai - September, Maxima 280 (6.6.), 1 320 (7.8.) und 1 500 (11.+18.9.).
2005: Juni - September, Maximum 3 200 am 29.8..
2004: nur August - Oktober und wenig häufig.
Prorocentrum triestinum :
2006: Mitte Juli - September, Maximum 88 000 am 11.9..
2005: weniger zahlreich (Maximum 16 000 am 22.8).,
2004: nur bis 320 am 28.9..
Raphidophyceen (keine Arten bestimmt):
2006: April - August, Oktober, Auftreten und Tage der Maxima ähnlich wie in den Vorjahren, Ende April - Anfang Mai (bis 371 000), sie sind aber nicht so groß:
2005: April - Oktober, Maxima bis 646 000 am 10.5..
2004: April - Oktober, viel geringere Zellzahlen als 2005, Maximum am 4.5.: 38 000.
Myrionecta rubra:
2006: Wie 2005 während der ganzen Beobachtungsperiode März - Oktober. Maxima: 9 200 (19.6.), 5 700 (3.7.), 10 000 (28.8.) und 8 400 (4.9.)., nicht so groß wie
2005: Maxima 8 300 (3.5.) und 27 400 (28.6.).
2004: weniger häufig, bis 11 400 (10.8.)

GIF-Graphik, 13,8 KB

Abbildung 1: Bestand mit den geschätzten Kohlenstoff-Werten (die nicht bestimmten Flagellaten wurden zur Hälfte zum Phytoplankton gerechnet)

Nordsylter Wattenmeer

Der Jahresgang der Phytoplankton-Biomasse zeigte für 2006 eine normale Frühjahrsblüte, die am 10. April ihr Maximum erreichte und von der Kieselalge Odontella aurita dominiert wurde. Die meistens auf die Frühjahrsblüte der Kieselalgen folgende Phaeocystis-Blüte trat dieses Jahr nicht deutlich in Erscheinung. Mitte Mai bis Mitte Juni wurde eine zweite Kieselalgenblüte beobachtet, häufigste Arten waren Cerataulina pelagica und Helicotheca tamesis.
Im weiteren Verlauf des Sommers dominierte Rhizosolenia imbricata das Phytoplankton.
Das herbstliche Phytoplankton war wie üblich durch eine sehr hohe Artenvielfalt geprägt. Das Maximum (63 Kieselalgenarten, 31 Dinoflagellatenarten) wurde Mitte Oktober erreicht.
Potentiell toxische Algen (Alexandrium, Dinophysis, Chattonella, Gymnodinium) wurden mehrfach, aber nur in geringer Zellzahl, beobachtet. Dinophysis acuminata wurde fast durchgehend von Anfang Mai bis Anfang Juli und von Ende August bis Ende September beobachtet. Dinophysis rotundata trat fast durchgehend von Ende Mai bis Anfang Juli auf. Die Sommerwerte der Nährstoffe lagen im üblichen Rahmen: (Si: 0 - 5 µM; NO3: 0 - 1 µM; NH4: 0 - 4 µM). PO4 blieb bis Anfang Juli niedrig (etwa 0 - 0.2 µM) und erreichte maximale Werte um Ende Juli herum mit Werte bis über 1 µM.
Die prägenden Ereignisse dieses Jahres waren die lange, bis in den Oktober hineindauernde Wachstumssaison, verbunden mit einem sehr späten Herbstanstieg der Nährstoffe (Ende Okotber/Anfang November) und die sehr hohen Herbst- und Dezember-Temperaturen.

Der Jahresgang der Phytoplankton-Biomasse (Chlorophyll a, µg/l), GIF-Graphik=5,58 KB

Abbildung 2: Der Jahresgang der Phytoplankton-Biomasse (Chlorophyll a, µg/l)

Schleswig-holsteinische Küstengewässer

Anfang Juli wurde die Schaumalge Phaeocystis globosa nahezu überall vermehrt beobachtet, nahm zum Ende des Monats. dann aber deutlich wieder ab, wie auch der Red-Tide Dinoflagellat Noctiluca scintillans . Das Phytoplankton blieb sonst heterogen verteilt , wobei das Artenspektrum südlich Eiderstedts am höchsten war und nach Norden hin auffällig abnahm. Anfang August lief die Abnahme von Phaeocystis globosa und Noctiluca scintillans weiter. Im Gebiet südlich Eiderstedts bis Helgoland kam vermehrt die Diatomeengattung Pseudonitzschia vor, im Bereich um die Nordfriesischen Inseln die Art Rhizosolenia imbricata.

Fischbestände

Bei einer hydroakustischen Bestandsaufnahme pelagischer Fischbestände in der Nordsee wurden im Juni/Juli insgesamt 15 Fischarten gefangen. Größte Präsenz wiesen auf: Sprotten (Gewichtsanteil am Gesamtfang 86 %), Heringe (11 %), grauer Knurrhahn und Makrele.
Die Untersuchung der Bodenfischbestände in der Nordsee im Juli/August zeigten, dass bei den Nachwuchsjahrgängen für Wittling, Schellfisch und besonders für Kabeljau keine Bestandszunahmen zu verzeichnen waren. Ein positiver Trend konnte für den Stintdorsch festgestellt werden.
Während der diesjährigen sogenannten Boxenfischerei wurden im August 2006 für die Gebiete Deutsche Bucht und Dänische Küste um 17 % bzw. fast 50 % verringerte Fangmengen registriert, während in der Mittleren Nordsee der drittgrößte Einheitsfang der 15-jährigen Zeitserie erzielt wurde. In allen Gebieten dominierte neben jeweils anderen Arten die Kliesche.
Nach den Ergebnissen der qualitativen und quantitativen Aufnahme der bodennahen Fischfauna in der deutschen AWZ (ausschließliche Wirtschaftszone) im November/ Dezember dominierten der Graue Knurrhahn und die Kliesche, während Kabeljau, Schellfisch und Wittling nur in geringen Mengen und Stückzahlen vertreten waren.
Im Rahmen der Langzeitüberwachung zum Auftreten von Krankheiten und Parasiten bei marinen Fischen wurden im Dezember 2006 bei der Untersuchung von Klieschen der Nordsee und westlichen Ostsee hinsichtlich makroskopischer Krankheiten die Befunde des vergangenen Jahres bestätigt. In der Deutschen Bucht war eine weitere Zunahme der Befallsraten von Hyperpigmentierungen der Haut (wie schon in den vergangenen 10 Jahren) und von Leberknoten beobachtet worden. Die Befallsraten anderer regelmäßig auftretender Krankheiten der Kliesche (wie Lymphocystis, epidermale Hyperplasien/Papillome, Hautgeschwüre) befanden sich auf vergleichsweise niedrigem Niveau.
Das ACFM (Advisory Committee for Fisheries Management) des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES) hatte im Dezember 2006 hinsichtlich der Höchstfangmengen 2007 für den Kabeljau in der Nordsee ein Fangverbot und für Seezunge und Schollen Fangreduzierungen empfohlen. Für den norwegischen frühjahrslaichenden Hering wurden Fangerhöhungen zugestanden.

Jan.
bis
Juni
2006

Zusammenfassung der biologischen Parameter für das 1. Halbjahr 2006

Niedersächsische Küste

Im ersten Halbjahr 2006 wurden noch keine Beprobungen zur Kontrolle blütenbildender und toxischer Algen an der niedersächsischen Küste durchgeführt.

Helgoland Reede

Ende März gab es bei etwas niedrigeren Wassertemperaturen als im Vorjahr nur wenige Diatomeen bei einer zunehmenden Anzahl kleiner Flagellaten, der Kohlenstoff-Gehalt der Bestände blieb unter 20 µg C/dm³.
Im Laufe des April stieg dann der Phytoplankton-Bestand von 40 bis 120 µg C/dm³, zuerst durch die Diatomee Coscinodiscus wailesii, Ende des Monats durch Rhizosolenia hebetata semispina (in den aktuellen Berichten zunächst als Rhizosolenia setigera gemeldet) und auch durch kleine Flagellaten und Raphidophyceen.
Im Mai gab es Bestände zwischen 85 und 185 µg C/dm³. Bei den Diatomeen dominierte anfangs Rhizosolenia hebetata semispina. Mitte des Monats wurden viele Arten sehr zahlreich, größere Anteile zum Kohlenstoff-Gehalt lieferten Cerataulina pelagica, Lauderia annulata, Pseudo-nitzschia seriata s.l., Ditylum brighwellii und Rhizosolenia imbricata, Ende Mai dominierte Coscinodiscus wailesii. Den für die Flagellaten geschätzten Kohlenstoffgehalt bestimmten Anfang Mai noch die Raphidophyceen, am Ende des Monats nahmen die Zellzahlen der Haptophycee Phaeocystis globosa zu, sie erreichte das Maximum der Saison mit 7,2 µg C/dm³ (niedriger als 2005) am 29.5..
Für Juni ließen sich Phytoplankton-Bestände zwischen 65 und 100 µg C/dm³ berechnen. Bei den Diatomeen waren anfangs Coscinodiscus wailesii, dann Lauderia annulata, Rhizosolenia hebetata semispina und Rhizosolenia imbricata und am Ende Pseudo-nitzschia seriata s.l. und Leptocylindrus danicus "gewichtig". Bei den Flagellaten gab es Ende Juni einen wesentlichen Beitrag durch kleine Dinoflagellaten. Schließlich war im Juni der autotrophe Ciliat Myrionecta rubra zeitweise zahlreich mit bis zu 18,4 µg C/dm³.

Nordsylter Wattenmeer

Bericht folgt später

Schleswig-holsteinische Küstengewässer

Anfang Juni waren reichlich Kieselalgen im Probenahmegebiet vertreten, wobei im südlichen Bereich und im Bereich des Nordfriesischen Wattenmeeres Plagiogrammopsis vanheurckii und Odontella-Arten, auf westlichen Stationen Rhizosolenia imbricata und Cerataulina pelagica überwogen.
Ende Juni hat sich das Artenspektrum der Dinoflagellaten stellenweise deutlich erweitert. Die Schaumalge Phaeocystis globosa konnte nur an einigen Stellen in geringen Anzahlen beobachtet werden.

Fischbestände

Bei der Untersuchung der winterlichen Artenzusammensetzung (Januar 2006) innerhalb der ausschließlichen Wirtschaftszone hatten im Referenzgebiet nordwestlich Helgoland die Heringsfänge im Vergleich zum Vorjahr wieder zugenommen. Fänge von Wittling waren weiterhin minimal und auch beim Kabeljau wurden sehr niedrige Werte erreicht. Das Referenzgebiet westlich Sylt war durch größere Heringsschwärme geprägt.
Eine Überprüfung der Stärke der Jungfischbestände in der zentralen und nördlichen Nordsee fand im Januar/Februar statt. Die Ergebnisse der Fischereihols gaben Hinweise, dass sich die Nachwuchssituation von Schellfisch und Stintdorsch im Vergleich zu den Vorjahren deutlich verbessert hatte, während sich für Kabeljau und Wittling nur graduelle positive Veränderungen zeigten; der Index beider Arten blieb weiterhin unter dem langjährigen Mittel.
Ende Februar/Anfang März wurden Häufigkeit und Verbreitung von Missbildungen pelagischer Fischembryonen in der Deutschen Bucht und der südlichen Nordsee untersucht.
Bei Embryonen des Wittlings wurde eine Missbildungsrate von 3,2 % ermittelt, die also 11,4 % geringer als 2005 war. Die häufig vorkommenden Embryonen der Kliesche wiesen eine Missbildungsrate von 3,1 % auf, eine Verminderung um 2,2 % gegenüber dem Vorjahr. Die Missbildungsraten anderer Fischarten bewegten sich meist zwischen 0,7 und 1,9 %.
Bei einer hydroakustischen Bestandsaufnahme pelagischer Fischbestände in der Nordsee wurden im Juni/Juli insgesamt 15 Fischarten gefangen. Größte Präsenz wiesen auf: Sprotten (Gewichtsanteil am Gesamtfang 86 %), Heringe (11 %), grauer Knurrhahn und Makrele.
Die Veröffentlichung des Kontrollanzeigers der Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP) in der EU zeigte, dass mehr als zwei Drittel der Verstoßverfahren, die derzeit gegen Mitgliedstaaten laufen, Fälle von Überfischung betreffen. Etliche Staaten wurden wegen der Überschreitung ihrer Quoten verurteilt.

Juli
bis
Dez.
2005

Zusammenfassung der biologischen Parameter für das 2. Halbjahr 2005

Niedersächsische Küste

Die Probenahmen entlang der ostfriesischen Küste zur Kontrolle blütenbildender und toxischer Algen an sieben küstennnahen Stationen durch den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) begann Ende Juli. Während des gesamten Beprobungszeitraumes von Ende Juli bis Anfang Oktober wurden nie bedenkliche Mengen von Vertretern toxischer oder HAB (Harmful Algal Bloom) bildender Phytoplanktonarten gefunden.

Der ungiftige Dinoflagellat Dinophysis rotundata trat lediglich Anfang August mit 100 Indiv./L in der Jade auf.
Noctiluca scintillans (Meeresleuchttierchen), ein heterotropher Dinoflagellat, der kein Toxin produziert, trat Ende Juli mit bis zu 86 Indiv./L (im Bereich der Jade) auf und erreichte bis Anfang August maximal 121 Indiv./L. Danach nahmen die Individuenzahlen kontinuierlich ab und lagen zum Ende des Untersuchungszeitraumes noch bei maximal 17 Indiv./L.
Mikroflagellaten der Gattung Chrysochromulina (Prymnesiophyceae) wurden während des gesamten Beprobungszeitraums im Untersuchungsgebiet nur in unkritischen Dichten gefunden.
Die ebenfalls zu den Prymnesiophyceae gehörende Schaumalge Phaeocystis war an allen Stationen meist nur mit wenigen Kolonien vertreten; lediglich Anfang August konnte zwischen Ems und Norderney mit 65 Kolonien/L eine etwas erhöhte Anzahl beobachtet werden.
Der Ciliat Myrionecta rubra war Ende Juli mit Dichten bis zu 900 Indiv./L ((Jade) vertreten, nahm dann aber kontinuierlich ab und war Anfang September an keiner Station mehr nachweisbar. Bis Anfang Oktober konnten dann an einzelnen Stationen noch bis zu 100 Indiv./L nachgewiesen werden.
Kieselalgen der potentiell toxischen Gattung Pseudo-nitzschia dominierten Ende Juli mit 10.000 bis 14.000 Indiv/L das Phytoplankton im westlichen Teil des Untersuchungsgebietes, während sie weiter östlich kaum nachgewiesen wurden. Im August stiegen an allen Stationen die Anzahlen, auf maximal 47.000 Indiv./L Anfang August und bis auf maximal 72.000 Indiv./L bis Ende des Monats. Lediglich im Bereich der Jade wurden nur 9.000 Indiv./L gefunden. Ab Anfang September nahm die Dominanz der Kieselalgen deutlich ab und erreichte nur noch an östlichen Stationen maximal 5.700 Indiv./L. Anfang Oktober stiegen die Anzahlen in diesem Bereich dann noch einmal auf maximal 10.800 Indiv./L.

Helgoland Reede

Im Juli nahmen Bestände von 112 bis auf 19 µg C/dm³ ab, es gab nur noch wenige Diatomeen, Ceratium fusus erreichte das Maximum am 11.7. mit 66 µg C/dm³.
Im August gab es Phytoplankton-Bestände zwischen 21 und 97 µg C/dm³, wobei die Kieselalgen mit Bacteriastrum hyalinum (Maximum am 1.8.: 11 µg C/dm³), Leptocylindrus minimus (am 15.8.: 7 µg), Rhizosolenia shrubsolei (am 15.8.: 13 µg C/dm³), Chaetoceros debilis (Maximum am 22.8.: mit 13), Guinardia delicatula (am 22.8.: mit 15) und Pseudo-nitzschia seriata s.l. (am 22.8. mit 10 µg C/dm³) die größten Anteile hatten.
Im September ging der Phytoplankton-Bestand von 76 bis 32 µg C/dm³ zurück und war wie im September 2004 an Arten reich. Ihre Maxima erreichten Leptocylindrus danicus am 5.9. mit 12 µg C/dm³, sowie am 12.9. Guinardia striata mit 16 und Ceratium furca mit 9 µg C/dm³.
Anfang Oktober nahm der Phytoplankton-Bestand weiter von 13 bis 9 µg C/dm³ ab.

Abundanzen (Vergleich zum Vorjahr)

(für Arten, die in höheren Konzentrationen oder mit toxischen Varianten erscheinen können)

Pseudo-nitzschia seriata s.l.:
2005: von Juli - Oktober, Maximum am 22.8. mit 98.000 Zellen/dm³.
2004: von Juni bis Oktober in geringeren Zahlen, Maximum 7.600 am 7.9.2004.
Ceratium furca:
2005: (Juli), August - Oktober, Maximum 2.300 (12.9.).
2004: Juli - Oktober, bis 2.800 Zellen/dm³ (22.9.2004).
Ceratium fusus:
2005: (März, April, Mai), Juni - Juli, (August, September), Maximum 26.000 (11.7.), häufiger als
2004: Juli - Oktober, bis 5.400 Zellen/dm³ (3.8.2004).
Ceratium longipes (+ horridum):
2005: Juli - September, Maximum 360 am 12.9., geringe Zahlen wie im Vorjahr:
2004: September - Oktober, bis 280 Zellen/dm³ am 12.10.2004.
Dinophysis acuminata:
2005: von Mai bis Oktober in mäßigen Konzentrationen (wie 2004), Maximum im August (360 Zellen/dm³ am 22.8.2005).
Noctiluca scintillans:
2005: Vorkommen Mai-August (September), höhere Zahlen: 186 (28.6.) - 312 (15.8., Maximum)
2004: im Juni und Juli in mäßigen Zahlen, dann bis Mitte August etwas häufiger (Maximum am 3.8.2004 mit 590 Zellen/dm³)
Phaeocystis globosa:
2005: Ende Mai - Anfang Juni (Maximum 1.526.000 am 7.6.) in viel kleineren Beständen als im Vorjahr
2004: (Maximum: 10.493.000 am 11.5.2004).
Prorocentrum micans:
2005: Früher (Juni - September) und zahlreicher (Maximum 3.200 am 29.8.) als
2004: (August - Oktober, Maximum 800 am 14.9.2004).
Prorocentrum triestinum (Synonym: P. redfieldii):
2005: wie in den Vorjahren: August - September, Maximum 16.000 (22.8.), zahlreicher als
2004: (bis 320 Zellen/dm³ am 28.9.2004).
Myrionecta rubra:
2005: Während der ganzen Beobachtungsperiode, verschiedene Maxima (ohne dass rotes Wasser beobachtet wurde): große Zellen am 3.5. (8.300) und 21.6. (9.500) und kleine Zellen am 28.6. (27.400) und 4.7. (27.100 Zellen/dm³).
2004: weniger häufig, bis 11.400 am 10.8.2004.

GIF-Graphik, 14,0 KB

Abbildung 1: Phytoplankton in ausgewählten Proben an der Station "Helgoland-Reede" (nach Zählungen als µg C/dm³ geschätzt)

Nordsylter Wattenmeer

Im Sommer dominierte Rhizosolenia imbricata das Phytoplankton. Auch Phaeocystis globosa wurde vor allem im August sehr häufig beobachtet.
Wie üblich war das herbstliche Phytoplankton durch eine sehr hohe Artenvielfalt geprägt. Das Maximum (62 Kieselalgenarten, 16 Dinoflagellatenarten) wurde Anfang Oktober erreicht.
Potentiell toxische Algen (Alexandrium, Dinophysis, Chattonella, Gymnodinium) wurden mehrfach, aber nur in geringer Zellzahl, beobachtet.
Im Vergleich zu den vergangenen Jahren fand der herbstliche Anstieg der Nährstoffe dieses Jahr sehr spät statt. Bis Ende Oktober gab es noch keinen deutlichen Anstieg. Neuere Daten zeigen erst ab Anfang November einen Anstieg. Das ist fast 6 Wochen später als normal. Die Sommerwerte der Nährstoffe lagen im üblichen Rahmen (Si: 0 - 3 µM; NO3: 0 - 2.6 µM; NH4: 0.2 - 2.6 µM). PO4 stieg wie üblich seit Ende April stetig an und erreichte Ende September mit etwa 0.6 µM sein "Sommer"-Maximum.
Die drei auffälligsten Beobachtungen dieses Jahres waren die eher späte und klein ausgefallene Frühjahrsblüte Mitte April, die recht intensive nachfolgende Phaeocystis-Blüte Mitte Mai und die sehr lange, bis in den Oktober hineindauernde Wachstumssaison (später Herbstanstieg der Nährstoffe).

Der Jahresgang der Phytoplankton-Biomasse im Jahr 2005 (µg Chlorophyll a/L), GIF-Graphik=5,75 KB

Abbildung 2: Der Jahresgang der Phytoplankton-Biomasse im Jahr 2005 (µg Chlorophyll a/L)

Schleswig-holsteinische Küstengewässer

Anfang Juli änderte sich die Zusammensetzung des Phytoplanktons grundlegend. Sommerliche Diatomeenarten nahmen stark zu, wobei Odontella-Arten und Guinardia flaccida in der Meldorfer Bucht, Rhizosolenia similoides südlich Eiderstedt, im Gebiet der Nordfriesischen Inseln und bei Helgoland dominierten. Dinoflagellaten waren für die Jahreszeit unterrepräsentiert, lediglich Noctiluca scintillans war häufig zu finden.
Die Schaumalge Phaeocystis globosa war fast vollständig verschwunden.
Ende Juli dominierten weiterhin die Diatomeen, erst Anfang bis Mitte August nahm ihre Anzahl im Bereich der Nordfriesischen Inseln stark ab. In diesem Gebiet und südlich Eiderstedt nahm Phaeocystis globosa weiter zu.

Fischbestände

Die jährlich seit 1987 an 12 Dauerbeobachtungsstationen in der Nordsee durchgeführten Untersuchungen der Fischfauna bestätigten im August 2005 wieder, dass trotz der großen Bemühungen zum Wiederaufbau des Kabeljaubestandes in der Nordsee noch keine Anzeichen für eine Erholung dieses Fischbestandes erkennbar sind. Die Verluste an Bodenfischarten wie Kabeljau, Scholle, Wittling werden durch die Zunahme der pelagischen Bestände (besonders Hering) ausgeglichen, wie auch durch die Zunahme kleiner, bodenlebender Fischarten wie Leierfisch, Zwergzunge, Lammzunge, die früher vom Wttling und Kabeljau dezimiert wurden.
Die Überwachung des Gesundheitszustandes von Nord- und Ostseefischen im September bestätigten für die Kliesche die bereits in den Vorjahren ermittelten regionalen Unterschiede des Befalls mit viralen und bakteriellen Hautkrankheiten, Parasiten und Lebertumoren. So lagen die Befallsraten von Lymphocystis und Lebertumoren in der Nordsee insgesamt auf niedrigem Niveau, während Klieschen in Gebieten der Öl- und Gasplattformen durch erhöhte Befallsraten von Lymphocystis, Hautgeschwüren oder Parasiten gekennzeichnet waren.
Auf der Herbstsitzung des ACFM (Advisory Committee for Fisheries Management) des ICES (Internationaler Rat für Meeresforschung) wurde in Anbetracht des schlechten Zustandes vieler demersaler Bestände im gesamten ICES-Konventionsgebiet empfohlen, viele gemischte Fischereien einzuschränken. Von den Beständen mit ausreichender Reproduktionskapazität und nachhaltiger Bewirtschaftung sind für die deutsche Fischerei Schellfisch, Seezunge und Seelachs in der Nordsee und der Norwegische frühjahrslaichende Hering von Bedeutung. Kritische Bestände in der Nordsee sind Kabeljau, Wittling, Sandaal, Stintdorsch und auch Dornhai und Heringshai.
Im Dezember hat die Europäische Kommission einen Aktionsplan für 2006 – 2008 zur Vereinfachung und Verbesserung der Fischereivorschriften (und damit der Gemeinsamen Fischereipolitik GFP) angenommen, Vorrangige Initiativen für die nächsten drei Jahre betreffen zwei wichtige Bereiche, die Bestandserhaltung und die Fischereiüberwachung. In diesem Zusammenhang muss auch die Veröffentlichung des GFP-Kontrollanzeigers gesehen werden. Während beim Flottenmanagement und bei der Umsetzung der strukturpolitischen Programme Verbesserungen zu beobachten waren, ließ die rechtzeitige und umfassende Berichterstattung zu wünschen übrig. Ein großes Problem war die Überschreitung der Quoten; die Mitgliedstaaten müssen mehr tun, um die Überfischung zu vermeiden.

Jan.
bis
Juni
2005

Zusammenfassung der biologischen Parameter für das 1. Halbjahr 2005

Niedersächsische Küste

Im ersten Halbjahr 2005 wurden keine Beprobungen zur Kontrolle blütenbildender und toxischer Algen an der niedersächsischen Küste durchgeführt.

Helgoland Reede

Im März gab es bei Wassertemperaturen unter denen des Vorjahres nur wenige Diatomeen und eine zunehmende Anzahl kleiner Flagellaten.
Im April stieg dann der Phytoplankton-Bestand deutlich an, vor allem durch die Diatomeen Coscinodiscus concinnus und in geringerem Maße Coscinodiscus wailesii, aber auch durch kleine Flagellaten und Raphidophyceen sowie den autotrophen Ciliaten Myrionecta rubra.
Im Mai gab es anfangs noch große Coscinodiscus-Bestände, das Maximum des Myrionecta-Vorkommens wurde am 3.5.; das der Raphidophyceen am 17.5. erreicht. Bis über die Mitte des Monats erreichte Noctiluca scintillans zunehmende Zellzahlen, war zum Monatsende aber wieder etwas rückläufig. Mit den abnehmenden Zellzahlen der beiden Coscinodiscus-Arten ging dann der Phytoplankton-Bestand wieder zurück. Am Ende des Monats nahmen die Zellzahlen der Haptophycee Phaeocystis globosa zu.
Im Juni waren die Bestände zunächst klein, mit dem Maximum der Phaeocystis-Entwicklung am 7.6. (ein wesentlich höheres Maximum wurde im Vorjahr am 11.6.2004 gefunden). Am Monatsende gab es dann einen hohen Phytoplankton-Bestand durch die Kieselalgen Rhizosolenia pungens und Guinardia flaccida als dominante Arten. Ein zweites Myrionecta-Maximum wurde am 28.6. beobachtet.

Nordsylter Wattenmeer

Der Jahresgang der Phytoplankton-Biomasse zeigte in 2005 eine sehr flache Frühjahrsblüte, sie erreichte ihr Maximum um den 1. April und wurde von den Kieselalgen Odontella aurita und Skeletonema costatum dominiert. Die meistens auf die Frühjahrsblüte folgende Phaeocystis-Blüte trat auch dieses Jahr sehr deutlich in Erscheinung und erreichte ihr Maximum Mitte Mai. Bis Anfang Juni wurde Phaeocystis häufig beobachtet.
Potentiell toxische Arten (Alexandrium, Dinophysis, Chatonella) wurden mehrfach, aber nur in geringer Zellzahl, beobachtet.

Schleswig-holsteinische Küstengewässer

Anfang Juni wurde entlang der gesamten schleswig-holsteinischen Westküste ein hohes Vorkommen der Schaumalge Phaeocystis globosa festgestellt, mit deutlich höheren Zellzahlen als im Vorjahr.
Ende Juni ging die Phaeocystis globosa-Blüte deutlich zurück, nur bei den nordfriesischen Inseln waren die Kolonien noch häufig anhand von Schaumstreifen zu beobachten. Noctiluca scintillans konnte - typisch für die Jahreszeit – häufig beobachtet werden. Die kleine Diatomee Pseudonitzschia delicatissima und der autotrophe Ciliat Myrionecta rubra waren stellenweise zahlreich.

Fischbestände

Die Überprüfung der Stärke der Jungfischbestände in der Nordsee zu Anfang des Jahres zeigte, dass sowohl die Gesamtfänge als auch die Stückzahlen bei den meisten Nutzfischarten der Nordsee unter den Minimumwerten der Vorjahre lagen. Die jüngste Altersgruppe der meisten Arten trat in äußerst geringen Zahlen auf, so dass eine Verbesserung der prekären Bestandssituation nicht erwartet werden kann.
Ende Februar/Anfang März wurden Häufigkeit und Verbreitung von Missbildungen pelagischer Fischembryonen in der Deutschen Bucht und der südlichen Nordsee untersucht. Beim Wittling wurde mit einer Missbildungsrate von 14,68 % eine Verdopplung der Rate gegenüber dem Vorjahr beobachtet. Die häufig vorkommenden Embryonen der Kliesche wiesen mit einer Missbildungsrate von 3,1 % eine Erhöhung um 1,3 % gegenüber dem Vorjahr auf. Die Missbildungsraten anderer Fischarten bewegten sich meist zwischen 0 und 2,5 %.
Wegen der weiterhin steigenden Anzahl schwerwiegender Verstöße gegen die Vorschriften der Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP) in der EU, regte die EU-Kommission an, dass die Mitgliedstaaten neben der deutlichen Erhöhung der Bußgelder auch Verwaltungsstrafen wie den Entzug der Fanglizenz anwenden sollten.

Juli
bis
Dez.
2004

Zusammenfassung der biologischen Parameter für das 2. Halbjahr 2004

Niedersächsische Küste

Die Beprobungen entlang der ostfriesischen Küste zur Kontrolle blütenbildender und toxischer Algen fand an sieben küstennnahen Stationen durch das Niedersächsische Landesamt für Ökologie (NLÖ) statt. Mit der ersten Untersuchung wurde Anfang August begonnen. Die Betrachtung des gesamten Beprobungszeitraumes von Anfang August bis Mitte Oktober zeigte, dass nie bedenkliche Mengen von Vertretern toxischer oder HAB (Harmful Algal Bloom) bildender Phytoplanktonarten gefunden wurden. Insgesamt war in diesem Jahr die Abundanz dieser Arten sehr niedrig.
Einige Vertreter konnten gar nicht nachgewiesen werden, wie beispielsweise die zu den Dinoflagellaten gehörenden, schon in geringen Mengen toxischen Arten Dinophysis acuta, D. acuminata und D. norvegica. Dinophysis rotundata wurde Anfang August nur an einer Station in sehr geringer Dichte gefunden, Mitte und Ende des Monats aber nicht mehr nachgewiesen. Lediglich Mitte September konnte diese Art noch einmal an einer Station mit 100 Individuen/Liter nachgewiesen werden.
Noctiluca scintillans (Meeresleuchttierchen), ein heterotropher Dinoflagellat, der kein Toxin produziert, kam Anfang August an allen Stationen vor bei höchsten Dichten von 180 Zellen/Liter, nahm aber bis Ende August immer weiter ab, an machen Stationen wurden gar keine Zellen mehr gefunden. Erst ab Mitte September wurden wieder bis zu 22 Zellen/Liter ermittelt. Mitte Oktober konnten dann wieder etwas höhere Dichten von maximal 61 Individuen/Liter gezählt werden.
Mitte Oktober trat auch Ceratium furca (Dinoflagellat) in nennenswerteren Mengen auf.
Die zu den Prymnesiophyceae gehörende Schaumalge Phaeocystis wurde Anfang August mit der Art P. globosa an drei Stationen mit geringer Kolonieanzahl (maximal 18 Kolonien/Liter) gefunden, nahm dann aber immer weiter ab und trat nur Mitte September nochmals an allen Stationen mit maximal 33 Kolonien auf.
Nanoflagellaten der Gattung Chrysochromulina (Prymnesiophyceae) sowie die zu den Raphidophyceae gehörenden Arten Chattonella marina und Fibrocapsa japonica (alle drei Toxinproduzenten) wurden Anfang August an keiner Station gefunden. Mitte August trat Chrysochromulina mit Abundanzen zwischen 5.800 und 11.700 Zellen/Liter an einigen Stationen auf , allerdings handelte sich nicht um die in der IOC-Liste (IOC = Intergovernmental Oceanographic Commission) aufgeführten toxischen Arten C. polylepis und C. leadbeateri. Ende August wurden noch 7.800 Zellen/Liter gefunden, danach wurden bis zum Ende der Beprobungen keine Zellen mehr nachgewiesen.
Chattonella marina wurde Mitte August an einer Station in zu vernachlässigenden Dichten, danach aber - ebenso wie Fibrocapsa japonica - an keiner Station nachgewiesen.
Kieselalgen der potentiell toxischen Gattung Pseudo-nitzschia waren Anfang August mit bis zu 18.200 Zellen/Liter vertreten und erreichten Mitte August bis zu 42.100 Zellen/Liter. Bis Ende des Monats sank der Bestand dann auf 2.400 Zellen/Liter und erreichte Mitte September noch einmal eine maximale Abundanz von 6.200 Zellen/Liter. Von Ende September bis zur letzten Beprobung Mitte Oktober wurden maximal noch 2.900 bzw. 2.700 Zellen/Liter gefunden, örtlich allerdings aber auch nur sehr wenige oder keine Individuen.
Der durch endosymbiontische Algen zur Photosynthese befähigte Ciliat Myrionecta rubra wurde nur Anfang August an drei Stationen in geringen Dichten ermittelt.

Hinsichtlich der nicht toxischen bzw. gefährlichen Arten wurde das relativ artenreiche Phytoplankton über den gesamten Beprobungszeitraum von Kieselalgen (Diatomeen) dominiert. Häufig vertretene Arten waren: Odontella sinensis, Lithodesmium undulatum, Thalassiosira spp., Chaetoceros socialis, Chaetoceros spp., Eucampia zodiacus, Rhizosolenia spp., Biddulphia alternans , Coscinodiscus wailesii, C. granii, Guinardia flaccida.

Helgoland Reede (zusammenfassende Betrachtung 1. und 2. Halbjahr)

Im März wurde nach winterlich kleinen Werten am 30.3. ein Kohlenstoffgehalt von 17 µg C/dm³ erreicht durch die Kieselalge Thalassionema nitzschioides.
Im Laufe des April nahm der Phytoplankton-Bestand wie im Vorjahr zu, er stieg von 7 bis 63 µg C/dm³. Bestimmend waren Diatomeen der Gattung Thalassiosira, ebenso Thalassionema nitzschioides, Rhizosolenia setigera und Guinardia delicatula.
Im Mai erreichten die Bestände zwischen 125 und 216 µg C/dm³. Bei dem gegen Monatsende abnehmenden Diatomeen-Anteil dominierte die Art Guinardia delicatula, mit einem Maximum am 11.5. von 43 µg C/dm³, zahlreich war die Haptophycee Phaeocystis globosa (Maximum am 11.5. mit 157 µg C/dm³).
Anfang Juni wurden die Phytoplanktonbestände wieder kleiner und nahmen ab Mitte des Monats zu, sie lagen zwischen 15 µg C/dm³ am 1.6. und 71 µg C/dm³ am 22.6. Neben den Kieselalgen (dominante Art: Guinardia delicatula, Maximum am 22.6. mit 50 µg C/dm³) gab es bis zur Monatsmitte noch Phaeocystis globosa (Maximum am 8.6. mit 12 µg C/dm³), am 15.6. einen relativ großen Bestand kleiner nackter Flagellaten von etwa 8 µg C/dm³ und Ende Juni den autotrophen Ciliaten Myrionecta rubra (mit einem Maximum am 22.6. von 6 µg C/dm³).
Im Juli nahmen die Phytoplanktonbestände zunächst ab, von 45 µg C/dm³ am 6.7. bis auf 18 µg C/dm³ am 13.7. und stiegen dann zum Monatsende wieder bis auf 145 µg C/dm³. Dominante Diatomeen waren zunächst Guinardia delicatula (Maximum am 6.7. mit 27 µg C/dm³), am 20.7. dann Guinardia striata mit 62 µg C/dm³ und am 27.7. Guinardia striata (38 µg C/dm³) sowie Thalassiosira rotula (40 µg C/dm³). Am 20.7. traten noch Phaeocystis globosa auf mit 10 µg C/dm³ sowie viele kleine nackte Flagellaten (10 µg C/dm³). Das während des Monats steigende Vorkommen von Ceratium fusus erreichte am 20.7. ein Maximum mit 9 µg C/dm³. Der Bestand von Myrionecta rubra lag im Juli zwischen 7 und 10 µg C/dm³.
Im August nahm der anfangs große Phytoplankton-Bestand von 170 µg C/dm³ bis auf 9 µg C/dm³ am Monatsende ab. Am 3.8. waren die Kieselalgen Detonula pumila (= Schroederella delicatula) mit 43 µg C/dm³, Chaetoceros socialis (26 µg C/dm³) und Guinardia striata (6 µg C/dm³) vorherrschend, später dann Guinardia delicatula (am 10.8. mit 5 µg C/dm³) und Bacteriastrum hyalinum (4 µg C/dm³ am 17.8.). Auch der Flagellatenbestand war am 3.8. ziemlich groß: für die kleinen nackten Flagellaten konnte man 8 µg C/dm³, für Ceratium fusus 10 µg C/dm³ ansetzen. Myrionecta rubra erreichte am 10. und 17.8. mit 23 bzw. 22 µg C/dm³ die größte Bestandsdichte im Jahre 2004.
Im September war das Phytoplankton an Arten reich, aber ohne besondere dominante Species. Der Bestand schwankte von 34 µg C/dm³ (am 7. und 22.9.) bis 15 µg C/dm³ (am 28.9.). Bei den Flagellaten gab es am Monatsende viele kleine nackte Formen (4 µg C/dm³ am 28.9.), Ceratium furca war noch relativ gewichtig mit Kohlenstoff-Werten zwischen 2 und (am 22.9.) 11 µg C/dm³.
Anfang Oktober blieb der Phytoplankton-Bestand niedrig und lag zwischen 13 und 15 µg C/dm³.

Vergleich des Bestandes bei Helgoland Reede mit den Ergebnissen aus 2003:
Im April 2004 gab es weniger Kieselalgen als 2003, im Mai 2004 mehr Kieselalgen und vor allem mehr Phytoplankton durch Phaeocystis, die 2003 fehlte. Im Juni 2003 war der Phytoplankton-Bestand durch Kieselalgen größer als 2004, im Juli 2003 durch ein Massenvorkommen von Ceratium spec. größer als 2004. Im August war der Phytoplankton-Bestand 2004 etwas größer als 2003, bedingt durch mehr Myrionecta rubra als 2003. Im September waren die Planktonbestände in beiden Jahren etwa gleich groß.

Nordsylter Wattenmeer

Nachdem die Phytoplankton-Biomasse im Laufe des Frühsommers stetig auf etwa 3 µg Chl/L gesunken war, gab es Anfang Juli eine kleine Blüte (bis 7 µg Chl/L). Bis Mitte Juli wurde Phaeocystis regelmäßig beobachtet. Anfang Juli trat die Kieselalge Rhizosolenia imbricate häufig auf, Ende Juli Guinardia striata.
Die relativ häufig beobachteten Algen dieses Sommers (Mai bis September) waren die Kieselalgen Actinoptychus senarius, Cylindrotheca closterium, Odontella granulata, Odontella rhombus, Odontella regia, Odontella sinensis, Brockmaniella brockmannii, Lithodesmium undulatum, Delphineis surirella, Skeletonema costatum, Eunotogramma dubium, Chaetoceros densus, sowie die Flagellaten Phaeocystis globosa, Hemistasia phaeocysticula und Noctiluca scintillans.
Potentiell toxische Algen (Alexandrium, Dinophysis, Chattonella, Chrysochromulina, Pseudo-nitzschia) wurden mehrfach beobachtet.
Bis Mitte September blieben die Chlorophyll-Werte unter 5 µg/L. Im Herbst gab es wie gewohnt ein sehr artenreiches Kieselalgenphytoplankton. Ende September und Ende November gab es kleine Blüten mit Biomassen bis 9 µg/L. Odontella sinsensis wurde Ende Oktober relativ häufig beobachtet.
Die wichtigsten Ereignisse dieses Jahres waren die relativ späte und wenig ausgeprägte Frühjahrsblüte Mitte April, die darauf folgende lange und intensive Phaeocystis-Blüte Mitte Mai und das frühe Einsetzen des herbstlichen Nährstoffanstiegs.
Den Jahresgang der Phytoplankton-Biomasse zeigt Abbildung 1.

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Abbildung 1: Jahresgang der Phytoplankton-Biomasse im Jahr 2004

Schleswig-holsteinische Küstengewässer

Im Juli blieb das sommerliche Artenspektrum überwiegend noch etwas zu klein, wenn auch der Trend steigend war. So wurden bei den Kieselalgen bei einem erweiterten Artenspektrum erhöhte Zellzahlen erreicht. Guinardia flaccida, G. deliculata, G. striata und Rhizosolenia imbricata kamen überall vor. Andere Arten waren regional unterschiedlich vertreten. Dinoflagellaten blieben weiterhin unterrepräsentiert.
Ende Juli/Anfang August traten im Bereich Helgoland und südwestlich Eiderstedt sommerliche "Rote Tiden" auf, verursacht durch den Dinoflagellat Noctiluca scintillans und den autotrophen Ciliat Myrionecta rubra. Im südlichen Teil der schleswig-holsteinischen Nordseeküstengewässer war das Artenspektrum besonders bei Kieselalgen vielfältig. Der Dinoflagellat Heterocapsa rotundata trat in erhöhten Zellzahlen auf. Im nördlichen Bereich wurde ein deutlich geringeres Artenspektrum beobachtet mit auffallend geringem Anteil an Dinoflagellaten und stellenweise zunehmender Anzahl an der "Schaumalge" Phaeocystis globosa (Prymnesiophyceae). Ende August war der Bestand des Phytoplanktons stark rückläufig, wobei Diatomeen noch am häufigsten vertreten waren und Dinoflagellaten nur noch sporadisch auftraten. Der Übergang zum herbstlichen Plankton war in 2004 nicht fließend , sondern gekennzeichnet durch einen Einbruch in der Zell- und Artendichte des Phytoplanktons.

Fischbestände

Untersuchungen in Nord- und Ostsee zum Befall mit viralen und bakteriellen Hautkrankheiten und Lebertumoren bei Klieschen sowie Flundern und Dorschen bestätigten regionale Unterschiede der letzten Jahre. Insgesamt zeigte sich im Vergleich zu früheren Jahren ein niedrigerer Befall, insbesondere ist die Häufigkeit von Hautgeschwüren beim Dorsch in der westlichen Ostsee rückläufig.
Die Fischbestände zeigten zwar keine Abnahme der Gesamtbiomasse in der Nordsee über die letzten zwei Dekaden, allerdings geben die Nachwuchsjahrgänge 2004 für Kabeljau,, Schellfisch und Wittling weiterhin wenig Hoffnung für eine Erholung der reduzierten Bestände, auch der Schollenbestand blieb gering. Dieser Verlust an fischereilich wertvollen Arten wurde ausgeglichen durch die Zunahme insbesondere an Hering, aber auch an Leierfisch und Zwergzunge.
Auf der Herbstsitzung des "Advisory Committee for Fisheries Management" (ACFM) des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES) wurde dringend zur Reduzierung des Fischerei-Drucks geraten. Den wissenschaftlichen Empfehlungen für Höchstfangmengen wurde Ende des Jahres beim Fischereirat der EU-Kommission nur teilweise entsprochen. Ähnliches gilt auch für sonstige Maßnahmen zum Wiederaufbau der Bestände wie Fangverbote, Schließungsgebiete, Reduzierung der Fangtage.

Seehunde

Seehundzählungen im Wattenmeer 2004 belegten die ersten Anzeichen einer Erholung der Seehundbestände, nachdem 2002 das Seehundstaupevirus ein Massensterben verursacht hatte. Anfang August 2004 wurden im gesamten Wattenmeer 12.803 Seehunde gezählt, das entsprach einem Anstieg von 18 % gegenüber 2003. Erwartungsgemäß sollen die Bestände bis 2008 wieder die Zahlen von 2002 erreicht haben.

Jan.
bis
Juni
2004

Zusammenfassung der biologischen Parameter für das 1. Halbjahr 2004

Niedersächsische Küste

Im ersten Halbjahr 2004 wurden keine Beprobungen zur Kontrolle blütenbildender und toxischer Algen an der niedersächsischen Küste durchgeführt.

Helgoland Reede

Bis Anfang April gab es nur kleine Bestände an Phytoplankton, die sich aber bis Ende April deutlich vergrößerten. Bestimmend waren Kieselalgen der Gattung Thalassiosira, aber auch Thalassionema, sowie Asterionella glacialis und Skeletonema costatum. Phaeocystis-Kolonien traten vereinzelt auf und wurden im Mai dann sehr zahlreich. Bei den Kieselalgen dominierte im Mai Guinardia delicatula. Auch Chaetoceros socialis und Odontella sinensis wurden zahlreicher. Anfang Juni war der Phytoplanktonbestand klein geworden bei arten- und zahlreichem Zooplankton. Zersetzte Phaeosystis–Kolonien bildeten Schaumstreifen an der Meeresoberfläche. Kieselalgen hatten deutlich abgenommen; Noctiluca wurde zahlreicher und bei den Ciliaten traten die Gattungen Strombidium und Myrionecta mit vielen Zellen auf. Nach einer Zunahme des Phytoplanktons Mitte des Monats nahm der Bestand Ende Juni wieder ab; die Wassertemperatur lag dabei um 3 °C unter derjenigen des Vorjahres. Bei den Cililaten dominierte Myrionecta rubra, bei den Flagellaten war Noctiluca etwas zahlreicher. Das Zooplankton blieb zahl- und artenreich, auffallend häufig war der Turbellar Alaurina composita.

Nordsylter Wattenmeer

Im Rahmen des wöchentlichen Planktonmonitorings im Nordsylter Wattenmeer werden neben Temperatur und Salzgehalt auch gelöste und partikuläre Nährstoffe analysiert.
Die Wassertemperaturen lagen im Januar und Februar zwischen 0 und 4 °C und stiegen ab März stetig an bis zu einem Jahresmaximum von 21 °CMitte August. Der Salzgehalt lag im Februar bei einem Minimum von 26 und stieg bis August auf 31.
Die Phytoplankton–Frühjahrsblüte fiel eher klein aus und erreichte Mitte April ihr Maximum, dominiert von der Kieselalge Odontella aurita. Der Chlorophyllgehalt erreichte dabei nur 17 µg/L verglichen mit 48 µg/L im Vorjahr.
Die nachfolgende recht intensive Phaeosystis–Blüte hatte am 20. Mai mit einem Chl a–Gehalt von 25 µg/L ihr Maximum erreicht. Im Laufe des Sommers sank die Phytoplankton-Biomasse ab auf etwa 3 µg/L, lediglich Anfang Juli wurde mit einer kleinen Phytoplanktonblüte bis 7 µg Chl a/L erreicht. Bis Mitte Juli wurde Phaeocystis regelmäßig beobachtet. Anfang Juli wurde die Kieselalge Rhizosolenia imbricate häufig beobachtet, Ende Juli Guinardia striata.
Potentiell toxische Algen (Alexandrium, Dinophysis, Chattonella) wurden mehrfach, aber nur in geringer Zellzahl, beobachtet.

Schleswig-holsteinische Küstengewässer

Anfang Juni wurde entlang der gesamten schleswig-holsteinischen Westküste ein jahreszeitlich typisches hohes Vorkommen der Schaumalge Phaeocystis globosa festgestellt, das jedoch deutlich höhere Kolonieanzahlen aufwies als in den vorhergehenden Jahren. Mitte Juni zerfielen die Kolonien dann in den meisten Gebieten wieder. Kieselalgen kamen in geringen bis mittleren Anzahlen vor.
Bis Ende Juni war das Artenspektrum des Phytoplanktons für die sommerliche Jahreszeit noch viel zu klein und die Anzahlen deutlich geringer als gewöhnlich; allerdings waren auch Luft- und Wassertemperaturen seit Wochen zu kühl gewesen. Bei den Kieselalgen waren Rhizosolenia imbricata, Guinardia deliculata und G. flaccida die kennzeichnenden Arten. Dinoflagellaten wie das Meeresleuchttierchen Noctiluca scintillans kamen nur sporadisch vor.
Phaeocystis – Kolonien wurden so gut wie gar nicht mehr gefunden.

Fischbestände

Untersuchungen der Fischbestände in der Deutschen Bucht hatten zu Beginn des Jahres die stetige Zunahme der Heringsfänge über die letzten vier Jahre bestätigt, der mittlere Fang an Kabeljau war allerdings noch äußerst gering. Auch die Überprüfung der Jungfischbestände in der Nordsee hatte gezeigt, dass sich die Gesamtfänge der meisten Nutzfischarten im Bereich der Minimumwerte der Vorjahre bewegten, ohne dass sich eine durchgreifende Besserung der Bestandssituation abzeichnete. Es bestätigte sich ein äußerst schwacher 2003er Kabeljaunachwuchs.
Bei Untersuchungen zur Häufigkeit und Verbreitung von Missbildungen pelagischer Fischembryonen wurden bei allen untersuchten Arten niedrige Missbildungsraten festgestellt.
Da Lücken und Schwächen bei der Überwachung in der Mitgliedstaaten zu ungleichen Kontrollen führten, hatte die Europäische Kommission eine EU-Fischereiaufsichtsbehörde zur besseren Durchsetzung der Vorschriften im Rahmen der Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP) vorgeschlagen.

2003

Zusammenfassung der biologischen Parameter für das Jahr 2003

Niedersächsische Küste

Nach einem strengen Winter mit Eisgang und einer langen kalten Frühlingsphase stiegen überraschenderweise bis zum 5. Mai bei einer Wassertemperatur von 12,9 °C die Zahlen des Meeresleuchttierchens Noctiluca bei Norderney schon auf 1139 Zellen pro Liter an; bis Mitte April hatten die Wassertemperaturen noch unter 10 °C gelegen. Am Freitag, den 9. Mai, trat bei sehr ruhigem Wetter Meeresleuchten auf. Aus der Deutschen Bucht wurden die ersten "Roten Tiden" gemeldet. Mit diesen ging der Noctiluca-Bestand bei Norderney schlagartig auf 40 Zellen/Liter zurück.
Die Schleimkugel- oder Schaumalge Phaeocystis hatte ihr Frühjahrsmaximum ebenfalls bereits überschritten. Am 22. April lagen die Koloniezahlen bei 107 pro Liter, was allerdings bei weitem noch keine Blüte bedeutete, und waren seitdem rückläufig; Phaeocystis war so gut wie nicht präsent.
Im zweiten Halbjahr von 2003 wurden im gesamten Untersuchungszeitraum (Anfang August bis Ende Oktober) an keiner der beprobten Stationen hohe Dichten potentiell toxischer Algen festgestellt.
Auf der ersten Algen-Kontrollfahrt der Saison um den 10. August zeigten sich trotz des außergewöhnlich ruhigen und extrem warmen Wetters keine außergewöhnlichen Abweichungen zum Vorjahreszeitraum. Das Phytoplankton wurde zunächst von Kieselalgen (insbes. Pseudonitzschia sp.) dominiert; diese verschwanden Ende August fast vollständig und traten erst Ende September mit geringen Individuenzahlen wieder auf. Das Meeresleuchttierchen Noctiluca miliaris war über den gesamten Untersuchungszeitraum an fast allen Stationen mit wenigen Individuen vertreten, lediglich in der 39. Woche (22.9. - 28.9.2003) zeigte sich kurzfristig eine steigende Tendenz. Der toxische Dinoflagellat Dinophysis acuminata trat nur von Ende August bis Anfang September mit unkritischen 100 Indiv./l bis 300 Indiv./l an zwei Stationen auf und war danach an keiner Station mehr nachweisbar. Der Mikroflagellat Chrysochromulina sp. kam an allen Stationen immer wieder vor, blieb aber im deutlich nicht-kritischen Bereich mit meist 100 bis 3300 Indiv./l bzw. bis 8600 Indiv./l Anfang August. Die Schaumalge Phaeocystis globosa trat ab Ende August nur vereinzelt auf und war lediglich in der 39. Woche (22.9. – 28.9.2003) vermehrt vertreten. Das Wimperntierchen Myrionecta rubrum war Ende August mit 800 Indiv./l bzw. 400 Indiv./l an zwei Stationen festzustellen, danach sanken die Zahlen an allen Stationen auf ca. 100 bis 200 Indiv./l.
Ab dem 8.10.2003 war das Phytoplankton entsprechend der Jahreszeit deutlich rückläufig.

Helgoland Reede

Die Vermehrung des Phytoplanktons begann etwa zur gleichen Zeit wie 2002, Anfang April. Für den Bestand waren zunächst Thalassiosira punctigera, dann außerdem Odontella aurita und Mitte April Thalassiosira nordenskioeldii bestimmend; Ende April hatten die Zellzahlen und Kohlenstoffwerte für das Phytoplankton wieder abgenommen.
Die Zahlen bei den kleinen Flagellaten entsprachen etwa denen in den Monaten März und April des Vorjahres. Dinophysis acuminata war im April etwas häufiger als 2002.
Anfang bis Mitte Mai war der Phytoplanktongehalt gering. Es gab Mitte Mai viele Copepoden, schon Phyllopoden, Larven vieler Benthosorganismen und pelagische Fischeier im Plankton. Kleine und größere Ciliaten waren bemerkenswert häufig, besonders Myrionecta rubra gegen Ende des Monats. Unter den Kieselalgen waren Cerataulina pelagica und Rhizosolenia shrubolei zahlreicher geworden.
Im Juni nahm der Phytoplanktongehalt weiter zu. Bei den Kieselalgen dominierten zunächst Nitzschia seriata s.l. und Cerataulina pelagica, gegen Ende des Monats dann Rhizisolenia shrubsolei . Flagellaten kamen im Laufe des Juni zunehmend vor, besonders Noctiluca Ansammlungen. Ceratium fusus wurde Ende des Monats durch Ceratium longipes abgelöst. Bei den Ciliaten ging der Bestand an Myrionecta rubra deutlich zurück.
Dann gab es ein kurzes, von einigen Diatomeen-Arten bestimmtes Maximum, das im Juli weiter anstieg und dabei vorwiegend aus Ceratien bestand. Mitte August ging der Bestand dann stark zurück und blieb bis Ende September niedrig. Die Wassertemperatur lag von Mitte Juli bis Anfang September über 18 °C.
Das Phytoplankton war artenreich, es gab nur Ende Juni eine deutliche Dominanz von Rhizosolenia shrubsolei und im Juli ein überwiegendes Vorkommen von Ceratium longipes und/oder Ceratium horridum.
Dinophysis-Arten wurden im Mai und von Ende Juli bis Ende September beobachtet (Maximum von Dinophysis acuminata am 19.8.: 1840 Zellen/dm³). Größere Zahlen von Prorocentrum micans und Prorocentrum redfieldii gab es im August und September (Maxima am 9.9. mit 4400 und 26600 Zellen/dm³). Phaeocystis spec. war nur in kleinen Mengen vertreten. Noctiluca scintillans gab es von Anfang Juni bis Ende Juli in mäßigen Zahlen, der autotrophe Ciliat Myrionecta rubra war in diesem Jahr nicht besonders häufig.

Nordsylter Wattenmeer

(Jahresbericht 2003; J. van Beusekom, H. Halliger, M. Elbrächter)
Im wöchentlichen Rhythmus wurde die Artenvielfalt des Phytoplanktons bestimmt. Dazu wurde das Phytoplankton aus mehreren Kubikmetern mit Planktonnetzen (20 und 80 µm) angereichert. Das unfixierte, lebende Phytoplankton wurde direkt mit einem Immersionsobjektiv mikroskopisch erfasst.
Das wöchentliche Planktonmonitoring ist Teil der ökologischen Beobachtungsreihe im Nordsylter Wattenmeer, in deren Rahmen auch gelöste und partikuläre Nährstoffe analysiert werden. Im Jahresbericht 2003 werden die wichtigsten Ergebnisse dieser Analysen dargestellt :
Die Wassertemperaturen waren in diesem Winter relativ niedrig. Anfang Januar und Mitte Februar sanken sie unter 0 °C. Ab Ende Februar stieg die Temperatur stetig an und erreichte Mitte August ihr Jahresmaximum mit 22 - 23 °C. Bis Ende Dezember sank die Temperatur auf 4 °C.
Bei den Nährstoffen erreichten die Winterkonzentrationen die folgenden maximalen Werte: PO4: 1.2 µM; Si: 35 - 37 µM; NO3: 40 - 50 µM; NO2: ~1.4 µM; NH4: 7 - 10 µM. Infolge der Frühjahrsblüte sanken NH4, Si und PO4 auf Konzentrationen unter 1 µM ab. NO3 erreichte Werte unter 2 µM erst Anfang Juni, Werte unter 0.1 µM wurden Mitte Juli erreicht.
Im Sommer waren die Nährstoffkonzentrationen niedrig: Si: ~0 - 5 µM; NO3: <1 µM; NO2: <0.1 µM; NH4: 0 - 4 µM. Phosphat zeigt einen etwas abweichenden Jahreszyklus: ab Mitte Mai stiegen die Konzentrationen von etwa 0.1 µM auf etwa 1 µM Mitte August und nahmen danach wieder ab. Das Sommermaximum hing sehr wahrscheinlich mit den hohen Wassertemperaturen zusammen.
Das Ende der Phytoplanktonsaison wurde erst Anfang Oktober erreicht, als die Nährstoffkonzentrationen deutlich anstiegen. NH4 und NO2 erreichten in Dezember ihr Maximum (NH4: ~11 µM: NO2: 1.8 µM), die Werte für NO3 und Si stiegen stetig an und erreichten Ende Dezember etwa 13 µM NO3 und 20 µM Si.
Der Jahresgang der Phytoplankton-Biomasse zeigte nur ein herausragendes Ereignis: die Frühjahrsblüte Mitte März mit einem Maximum von 48 µg Chlorophyll/Liter. Die Biomasse sank dann im Laufe des Sommers stetig ab auf etwa 3 µg Chl/L Mitte August. Ende April und Anfang Juni gab es zwei kleine Blüten (bis 14 bzw. 11 µg Chl/L).

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Abbildung 1: Jahresgang von Chlorophyll im Nordsylter Wattenmeer

Die Phytoplankton-Frühjahrsblüte entwickelte sich in diesem Jahr relativ früh und erreichte ihr Maximum um den 20. März (siehe Abbildung 1). Sie wurde von den Kieselalgen Odontella aurita, Porosira glacialis und am Ende der Blüte von Skeletonema costatum dominiert. Die Ursache der frühen Blüte war vor allem in den guten Lichtverhältnissen zu suchen, die sowohl auf die höhere Lichteinstrahlung (Ostwindlage mit klarem Wetter) als auch auf die geringere Trübung im Wasser zurückzuführen waren. Die hohen Phytoplankton-Biomassen hingen möglicherweise mit den kalten Bedingungen (etwa 2 °C) zusammen, wodurch der Frassdruck relativ gering war. Natürlich sind auch hohe Nährstoffkonzentrationen eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung von starken Blüten.
Die auf der Frühjahrsblüte der Kieselalgen folgende Phaeocystis-Blüte trat dieses Jahr nicht sehr deutlich in Erscheinung. In Juni dominierten die Kieselalgen Guinardia delicatula und Cerataulina pelagica. Von Mitte Juni bis Anfang September dominierte vor allem Rhizosolenia imbricata das Phytoplankton. Auffällig war das häufige Auftreten der Kieselalge Odontella sinensis von Ende August bis Anfang November.
Die am häufigsten beobachteten Algen dieses Sommers (Mai bis September) waren die Kieselalgen Odontella rhombus, Odontella sinensis, Odontella granulata, Biddulphia alternans, Bellerochea malleus, Rhizosolenia imbricata, Guinardia delicatula, Actinoptychus senarius, Subsilicea fragilarioides, der Dinoflagellat Protoperidinium achromaticum und der Flagellat Phaeocystis globosa.
Die prägenden Ereignisse dieses Jahres waren die frühe Frühjahrsblüte, gekennzeichnet durch eine hohe Biomasse, die lang andauernde Dominanz von Rhizosolenia imbricata und die Herbstdominanz von Odontella sinensis.

Schleswig-holsteinische Küstengewässer

Ende Mai war das sommerliche Phytoplankton in den Küstengewässern artenarm und deutlich unterschiedlich verteilt. Kieselalgen waren vorherrschend, westlich Sylt auch in erhöhten Zelldichten. Im Juni sind Kieselalgen noch vorherrschend, das Artenspektrum der Dinoflagellaten wird größer. Beim Meeresleuchttierchen Noctiluca scintillans und der Schaumalge Phaeocystis globosa ist nach häufigem Vorkommen bis Mitte Juni gegen Ende des Monats ein Rückgang zu verzeichnen.
Anfang Juli war die Verteilung der Mikroalgen recht heterogen. An küstenfernen Stationen um Helgoland und westlich List/Sylt stiegen die Zellzahlen des autotrophen Ciliaten Myrionecta rubra stetig an, Ende Juli wurde das Artenspektrum der Dinoflagellaten größer, während Kieselalgen weiterhin dominierten. Nordwestlich Sylts herrschte Rhizosolenia imbricata vor, während im Süden Chaetoceros-Arten dominierten. Auch im August blieben Kieselalgen vorherrschend. Dinoflagellaten kamen, außer bei Helgoland, wenig vor. Im September erweiterte sich das Spektrum der Diatomeen wieder deutlich.

Fischfang

Untersuchungen über die Bodenfisch-/Fischbestände in der Nordsee und schwerpunktmäßig in der Deutschen Bucht zeigten weiterhin eine Abnahme der Biomasse. Für den Nachwuchsjahrgang 2003 der Arten Kabeljau, Schellfisch und Wittling gaben die Fänge 2003 wie im Vorjahr wenig Hoffnung. Dies wurde auch auf der Herbstsitzung des "Advisory Committee for Fisheries Management" (ACFM) des internationalen Rates für Meeresforschung (ICES) bestätigt. In der Nordsee war der Zustand des Kabeljau, aber auch der Scholle und der Seezunge unverändert ernst bei niedriger Laicherbiomasse. Lediglich der Nordsee-Seelachs befand sich in gutem Zustand. Zahlreiche Bestände mussten für 2003 als "außerhalb sicherer biologischer Grenzen" bezeichnet werden; d.h. dass sie aus fischereilicher Sicht nicht optimal oder gar nicht mehr genutzt werden können. Dementsprechend wurden zahlreiche Empfehlungen für Maßnahmen zum Management bzw. Wiederaufbau für eine Reihe von Beständen erarbeitet.
Untersuchungen der Klieschen auf makroskopische Krankheiten erbrachte weitgehend eine Bestätigung der im vergangenen Jahr ermittelten Befunde.

Seegras und Grünalgen im Wattenmeer

Im Sommer 2003 betrug die Ausdehnung der Grünalgen auf den Watten der schleswig-holsteinischen Nordseeküste nur circa die Hälfte des langjährigen Durchschnitts bezogen auf den Zeitraum nach 1994 (also nach der Massenentwicklung zu Beginn der 1990er Jahre); dennoch lagen die Werte höher als vor den 1980er Jahren.
Die Seegrasbestände im nordfriesischen Wattenmeer waren weiterhin stabil und 2003 in einem guten Zustand. Im west- und ostfriesischen Wattenmeer sowie zwischen Jade und Eider hatten sich die Seegraswiesen vom Rückgang der letzten Jahrzehnte noch nicht erholt.

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