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MURSYS - Nordsee

   
 
 

Zooplankton Helgoland-Reede

 

Vorhandene Berichte :    2006    Oktober 2007   

Okt.
2007

  Biologische Anstalt Helgoland, Alfred-Wegener-Institut für Meeres- und Polarforschung
  Deutsches Zentrum für Marine Biodiversitätsforschung, Forschungsinstitut Senckenberg
  Leibniz-Institut für Meereswissenschaften an der Universität Kiel

(http://www.awi.de)
(http://www.senckenberg.de)
(http://www.ifm-geomar.de/)

Erstes Auftreten der Ctenophore Mnemiopsis leidyi in der Nordsee

Kurz-Information zur Veröffentlichung:

Boersma, M., Malzahn, A. M., Greve, W., Javidpour, J. (2007). The first occurrence of the ctenophore Mnemiopsis leidyi in the North Sea, Helgoland Marine Research., doi:10.1007/s10152-006-0055-2.

In 2007 erschienen ist die oben genannte Veröffentlichung zum ersten Auftreten der Rippenqualle Mnemiopsis leidyi in der Nordsee.
Nach der Entdeckung großer Dichten von Mnemiopsis leidyi in der Ostsee bei Kiel im Oktober 2006 wurden bei Untersuchungen des Zooplanktons aus der Nordsee bei Helgoland am 30. November 2006 mehrere Ctenophoren-Exemplare als Mnemiopsis leidyi identifiziert. Auch bei quantitativen Untersuchungen kurz darauf wurden Individuen dieser Art von meist 1 bis 2,5 cm Größe gefunden, wenn auch in weit geringeren Dichten als in der Ostsee.

Informationen über das Auftreten von Mnemiopsis leidyi in niederländischen Küstengewässern finden sich in folgender Veröffentlichung:

Faasse MA, Bayha KM (2006) The ctenophore Mnemiopsis leidyi A. Agassiz 1865 in coastal waters of the Netherlands: an unrecognized invasion? Aquat Invasions 1:270–277

Siehe dazu:
(http://www.aquaticinvasions.ru/)

2006

  Deutsches Zentrum für Marine Biodiversität, Hamburg

(http://www.senckenberg.de)

Zooplankton Helgoland Reede (Zusammenfassung für 2006)

(Greve, Reiners, Nast und Hoffmann)

Die Temperaturentwicklung des Jahres 2006 war ungewöhnlich.

Abbildung 1,  Temperaturentwicklung , Datei=14,5 KB

Abbildung 1: Temperaturentwicklung (SST bei Helgoland DWD, Reede-angeglichen) bis zum 5.12.2006 und im Mittel 1975 - 2000 (Reede, BAH/AWI) aus:
(http://www.senckenberg.de/dzmb/plankton/plankton.html)

Bis zum Mai lagen die Temperaturen im langjährigen Mittel oder darunter. Ab Juni war es dann deutlich wärmer (siehe Abbildung 1). Die Wintertemperaturen bestimmen weitgehend den Zeitpunkt des Auftretens der Zooplanktonpopulationen. So kam es vielfach zu Verzögerungen im Populationsaufbau.
Eine Ausnahme machte die seit zehn Jahren in der Nordsee als Neozoe etablierte Cladocere Penilia avirostris, deren saisonales Auftreten erneut vorverlagert wurde (Abbildung 2).

GIF-Graphik, 64,2 KB

Abbildung 2: Vorkommen der Neozoe Penilia avirostris bei Helgoland

Die Abweichung in der Abundanz der Einzelpopulationen vom langjährigen Mittel war charakterisiert durch eine Reduktion der calanoiden Copepoden auf nur ~25 % des mittleren Jahresvorkommens. Auch das von Copepoden lebende Turbellar Alaurina composita und der Pfeilwurm Sagitta setosa waren deutlich seltener als in den Vorjahren.

Abbildung 3,  Temperaturentwicklung , Datei=15,6 KB

Abbildung 3: Kumulative Abundanz der calanoiden Copepoden bei Helgoland, 2006 bis Mitte November, Vorjahre und Jahresmittel 1975 - 2005

Häufiger waren die Cladoceren der Gattungen Podon und Evadne und der Dinoflagellat Noctiluca scintillans, der doppelt so häufig auftrat wie im langjährigen Jahresmittel.
Die fehlende Nahrungskonkurrenz der Copepoden und die hohen Sommertemperaturen können verantwortlich für die sehr starke Entwicklung von Noctiluca scintillans sein.

Abbildung 4,  Temperaturentwicklung , Datei=14,8 KB

Abbildung 4: Kumulative Abundanz des Dinoflagellaten Noctiluca scintillans bei Helgoland, 2006 bis Mitte November, Vorjahre und Jahresmittel 1975 - 2005

Das herausragende Ereignis des Jahres 2006 ist jedoch eine Beobachtung aus Schweden, Kiel und Norwegen, die bisher in den Proben von Helgoland Reede nicht bestätigt werden konnte, da die Konservierung der lobaten Rippenqallen bisher nicht möglich ist. In der Nord- und Ostsee ist die Ctenophore Mnemiopsis leidyi registriert worden. Diese ursprünglich an der nordamerikanischen Küste vorkommende Rippenqualle wurde Anfang der 90er Jahre durch Ballastwasser in das Schwarze Meer eingeschleppt. Sie reduzierte dort durch den Fraß der Fischnährtiere und Fischlarven den Sardellenbestand so sehr, dass die Fischerei um 90 % reduziert wurde. Die salzgehaltstolerante Art Mnemiopsis leidyi breitete sich auch in das Azovsche Meer, das Mittelmeer und inzwischen auch in das Kaspische Meer aus.
Diese Neozoe Nordeuropas trifft hier auf die Rippenquallenarten Pleurobrachia pileus, Bolinopsis infundibulum, Beroe cucumis und Beroe gracilis. Beide Beroe Arten ernähren sich von anderen Rippenquallen. Die lobate Ctenophore Bolinopsis infundibulum ist sehr ähnlich gebaut wie Mnemiopsis leidyi. Sie unterscheidet sich von ihr durch die tiefer in den Körper hineinreichende Einstülpung der von den Mundlappen zu den schmaleren seitlichen Wimperlappen führenden Cilienbänder (Abbildung 5).

Abbildung 5,  Temperaturentwicklung , Datei=68,0 KB

Abbildung 5: Bolinopsis infundibulum (Seitenansicht) Original und schematisch verändert, um die abweichenden Merkmale von Mnemiopsis leidyi zu verdeutlichen (Foto: Greve).

Auch unabhängig vom Auftreten der neuen, im Ballastwasser über die russische Binnengewässer oder über den Seeweg eingeschleppten Neozoe zeigt das pelagische Ökosystem Änderungen, die zum Teil ähnlich im Vorjahr zu beobachten waren. Auf der Basis der vorhandenen Zeitreihe lassen sich Veränderungen messend erkennen.


  Deutsches Zentrum für Marine Biodiversität, Hamburg

(http://www.senckenberg.de)

Zooplankton Helgoland Reede im Jahr 2006

An jedem Werktag fährt seit 1962 das Stationsboot der Meeresstation der Biologischen Anstalt Helgoland zu der Position 54° 11,18' N, 7° 54,00' O. Dort werden Organismenproben mit Wasserschöpfern und Planktonnetzen genommen und Messungen durchgeführt, wenn nicht Orkan und Eisgang dies verhindern. Die Position war der Ort, an dem die Kabeltonne 1962 die Kabelverbindung zwischen Insel und Düne markierte, um das Ankern der Seebäderschiffe an dieser Stelle zu verhindern. Unter dem Namen "Kabeltonne Helgoland" wurden diese Messungen international bekannt; offiziell heißen sie "Helgoland Reede".

Die Zooplanktonproben werden dort seit 1974 mit dem Hydrobios Handnetz (Maschenweite 150 µm) für das Mesozooplankton und mit dem Calcofi-Netz (Maschenweite 500 µm) für das Makrozooplankton genommen. Beide Fänge werden als Schräghols vom Boden bis zur Oberfläche durchgeführt.

Durch die lange Bearbeitungszeit kann eine mittlere Vorkommensdynamik für die einzelnen Arten und errechneten Artengruppen bestimmt werden, die zur Orientierung der aktuellen Populationsdynamik gegenübergestellt wird.


Geographische Lage Helgoland Kabeltonne, Datei=8,02 KB

Abbildung 1: Geographische Lage der Probennahmestation "Helgoland Kabeltonne"


Eine Prognose für das zeitliche Auftreten einiger ausgewählter Zooplanktonarten für Helgoland Reede finden sie unter folgender Internetadresse:
(http://www.senckenberg.de/dzmb/plankton/plankton.html)


Meeresleuchttierchen (Noctiluca scintillans), JPG-Graphik=7,78 KB

Foto 1: Meeresleuchttierchen (Noctiluca scintillans)

Abbildung 2, Jahresgang 2006 im Vergleich zum langjährigen Mittel (1975-1994) des Meeresleuchttierchens (Noctiluca scintillans, Datei=6,78 KB

Abbildung 2: Jahresgang 2006 im Vergleich zum langjährigen Mittel (1975-1994)
des Meeresleuchttierchens
(Noctiluca scintillans)


frisch geschlüpfte Seestachelbeere (Pleurobrachia pileus), JPG-Graphik=8,33 KB

Foto 2: frisch geschlüpfte Seestachelbeere (Pleurobrachia pileus)

Abbildung 3, Jahresgang 2006 im Vergleich zum langjährigen Mittel (1975-1994) der Summe der frisch geschlüpften Rippenquallen (Ctenophora: Pleurobrachia pileus und Beroe spp.), Datei=6,86 KB

Abbildung 3: Jahresgang 2006 im Vergleich zum langjährigen Mittel (1975-1994)
der Summe der frisch geschlüpften Rippenquallen
(Ctenophora: Pleurobrachia pileus und Beroe spp.)


Borstenwurmlarve, JPG-Graphik=8,55 KB

Foto 3: Borstenwurmlarve

Abbildung 4, Jahresgang 2006 im Vergleich zum langjährigen Mittel (1975-1994) der Summe der Borstenwurmlarven (Polychaeta), Datei=7,69 KB

Abbildung 4: Jahresgang 2006 im Vergleich zum langjährigen Mittel (1975-1994)
der Summe der Borstenwurmlarven
(Polychaeta)


Evadne spp., JPG-Graphik=7,85 KB

Foto 4: Evadne spp.

Abbildung 5, Jahresgang 2006 im Vergleich zum langjährigen Mittel (1975-1994) der Summe der Wasserflöhe (Cladocera: Evadne spp., Podon spp. und Penilia avirostris), Datei=6,36 KB

Abbildung 5: Jahresgang 2006 im Vergleich zum langjährigen Mittel (1975-1994)
der Summe der Wasserflöhe
(Cladocera: Evadne spp., Podon spp. und Penilia avirostris)


Acartia spp., JPG-Graphik=7,92 KB

Foto 5: Acartia spp.

Abbildung 6, Jahresgang 2006 im Vergleich zum langjährigen Mittel (1975-1994) der Summe der kleinen Ruderfußkrebse (Copepoda: Acartia spp., Centropages spp., Paracalanus parvus, Pseudocalanus elongatus und Temora longicornis), Datei=8,23 KB

Abbildung 6: Jahresgang 2006 im Vergleich zum langjährigen Mittel (1975-1994)
der Summe der kleinen Ruderfußkrebse
(Copepoda: Acartia spp., Centropages spp., Paracalanus parvus,
Pseudocalanus elongatus und Temora longicornis)


Seepockenlarve, JPG-Graphik=7,62 KB

Foto 6: Seepockenlarve

Abbildung 7, Jahresgang 2006 im Vergleich zum langjährigen Mittel (1975-1994) der Seepockenlarven (Cirripedia), Datei=9,31 KB

Abbildung 7: Jahresgang 2006 im Vergleich zum langjährigen Mittel (1975-1994)
der Seepockenlarven
(Cirripedia)


Schneckenlarve, JPG-Graphik=7,81 KB

Foto 7: Schneckenlarve

Abbildung 8, Jahresgang 2006 im Vergleich zum langjährigen Mittel (1975-1994) der Summe der Schneckenlarven <BR>(Gastropoda), Datei=8,17 KB

Abbildung 8: Jahresgang 2006 im Vergleich zum langjährigen Mittel (1975-1994)
der Summe der Schneckenlarven
(Gastropoda)


Muschellarve, JPG-Graphik=8,60 KB

Foto 8: Muschellarve

Abbildung 9, Jahresgang 2006 im Vergleich zum langjährigen Mittel (1975-1994) der Summe der Muschellarven (Lamellibranchia), Datei=8,03 KB

Abbildung 9: Jahresgang 2006 im Vergleich zum langjährigen Mittel (1975-1994)
der Summe der Muschellarven
(Lamellibranchia)


Seesternlarve (Asterias rubens Brachiolaria), JPG-Graphik=8,32 KB

Foto 9: Seesternlarve (Asterias rubens Brachiolaria)

Abbildung 10, Jahresgang 2006 im Vergleich zum langjährigen Mittel (1975-1994) der Summe der Seestern- und Seeigellarven (Echinodermata), Datei=6,31 KB

Abbildung 10: Jahresgang 2006 im Vergleich zum langjährigen Mittel (1975-1994)
der Summe der Seestern- und Seeigellarven
(Echinodermata)


Oikopleura dioica, JPG-Graphik=8,09 KB

Foto 10: Oikopleura dioica

Abbildung 11, Jahresgang 2006 im Vergleich zum langjährigen Mittel (1975-1994) der Summe der Manteltiere (Appendicularia: Fritillaria borealis und Oikopleura dioica), Datei=7,69 KB

Abbildung 11: Jahresgang 2006 im Vergleich zum langjährigen Mittel (1975-1994)
der Summe der Manteltiere
(Appendicularia: Fritillaria borealis und Oikopleura dioica)


Kopf eines Pfeilwurmes (Sagitta spp.), JPG-Graphik=7,45 KB

Foto 11: Kopf eines Pfeilwurmes (Sagitta spp.)

Abbildung 12, Jahresgang 2006 im Vergleich zum langjährigen Mittel (1975-1994) der Summe der Pfeilwürmer (Chaetognatha: Sagitta setosa und Sagitta elegans), Datei=7,26 KB

Abbildung 12: Jahresgang 2006 im Vergleich zum langjährigen Mittel (1975-1994)
der Summe der Pfeilwürmer
(Chaetognatha: Sagitta setosa und Sagitta elegans)


Fischlarve, JPG-Graphik=8,50 KB

Foto 12: Fischlarve

Abbildung 13, Jahresgang 2006 im Vergleich zum langjährigen Mittel (1975-1994) der Summe der Fischlarven, Datei=9,16 KB

Abbildung 13: Jahresgang 2006 im Vergleich zum langjährigen Mittel (1975-1994)
der Summe der Fischlarven

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