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Flaschenpost-Sammlung

   
 
 

Bei dem Thema Flaschenpost denkt jeder an See-Abenteuer, Schiffbrüchige, romantische Urlaubsgrüße, an Langsamkeit und Zufall, mit dem diese Briefe ankommen, wenn sie denn überhaupt gefunden werden. Es gab aber auch einmal Flaschenposten, die nur der Wissenschaft dienten. Eine weltweit einzigartige Sammlung dieser wissenschaftlichen und historischen Flaschenpostbriefe verwahrt das BSH in seinem Bibliotheksarchiv.

 

Foto Flaschenpost mit Zettel

Geschichte

In der Frühzeit der Ozeanographie nutzten die Wissenschaftler ab Mitte des 19. Jahrhunderts ein einfaches Prinzip zur Erforschung der Meeresströmungen. Den Kapitänen deutscher Handelsschiffe gab man eine leere Flasche und ein kleines vorbereitetes Formular mit, das - um das aktuelle Datum ergänzt - auf einer vorher bestimmten Längengradposition in der gut versiegelten Flasche über Bord geworfen wurde. Die Finder dieser Flaschenposten wurden gebeten, die Zettel mit Fundort und Datum zu versehen und an die „Deutsche Seewarte“ in Hamburg zu schicken, einem Vorgänger des heutigen Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Flaschenpost irgendwo heil ankommt und gefunden wird, liegt nach Expertenmeinung im Durchschnitt bei zehn Prozent. Dennoch erhofften die Wissenschaftler durch ihre Auswertungen, den Weg der Flasche nachzuvollziehen und Aufschluss über die Meeresströmungen zu erhalten.
In Deutschland gilt der Gelehrte Georg Ritter Balthasar von Neumayer, der 1875 erster Direktor der Deutschen Seewarte  in Hamburg wurde, als Begründer der „Flaschenpost-Forschung“. Es gibt aber Überlieferungen, dass die Menschen offenbar schon seit der Antike mit mehr oder weniger wasserdichten und unsinkbaren Gefäßen experimentiert haben:

  • Der griechische Philosoph und Naturforscher Theophrastos (371 - 287 v. Chr.), ein Schüler des Aristoteles, vermutete, dass der Atlantische Ozean die Verhältnisse im Mittelmeer beeinflusst. Versuche mit verschlossenen Krügen, die er bei Athen in die Ägäis setzte, sollten dies bestätigen.
  • Kolumbus soll ein Zedernholz-Fäßchen mit Notizen über die Entdeckung Amerikas über Bord geworfen haben, als er auf der Rückfahrt 1493 in einen schweren Sturm geriet und befürchten musste, sein Schiff werde untergehen.
  • Unter Königin Elisabeth I wurde in Großbritannien um 1590 ein Gesetz eingeführt, mit dem sichergestellt werden sollte, dass Flaschenposten mit offiziellem Siegel, zum Beispiel Nachrichten von britischen Kriegsschiffen, nicht von Unbefugten geöffnet wurden. Dies durfte nur der „Offical Uncorker of Bottles“. Das Gesetz blieb immerhin 200 Jahre in Kraft.
  • Erste wissenschaftliche Meeresforschungen unter Verwendung verschlossener Flaschen fanden schon 1786 in der Bucht von Biscaya statt und zeitgleich jenseits des Atlantischen Ozeans durch Benjamin Franklin, der auch den Blitzableiter erfand.

 

Sammlung

Die heutige Flaschenpost-Sammlung besteht aus etwa 660 zurückgesandten Briefen und ist damit die wohl größte der Welt. In insgesamt vier dicken schwarzen Büchern sind Zettel, die einst in Flaschen im Meer schwammen, chronologisch von 1864 bis 1933 zusammengefasst – bis auf die Jahrgänge 1901 bis 1927, die wohl durch die Kriegswirren verloren gingen.
Das älteste Dokument der eindrucksvollen Sammlung wurde von Neumayer persönlich am 14. Juli 1864 bei Cap Horn von dem Segelschiff „Norfolk“ in einer verschlossenen Rumflasche über Bord geworfen. Nach drei Jahren, genauer am 9. Juni 1867 um 12:00 Uhr wurde das Treibgut von dem Arbeiter Michael O‘ Donohue an der australischen Küste bei Portland gefunden, wie die zurück geschickte blaue Pappkarte belegt. Die Flasche hatte
8532 Seemeilen (rund 15 800 Kilometer) zurückgelegt bei einer Reisegeschwindigkeit von etwa acht Seemeilen pro Tag.

Klicken Sie auf die Bilder, um eine größere Ansicht zu erhalten.

  Älteste Flaschenpost von 1864

 Mehrsprachige Flaschenpost

Älteste Flaschenpost von 1864

Mehrsprachige Flaschenpost

 

 

Heutige Methoden

Längst ist die Flaschenpost-Methode abgelöst, denn die mit ihrer Hilfe ermittelten Strömungsinformationen ließen nur ungenaue Schlüsse zu. Sie erlaubten nur die grobe Abschätzung über den zurückgelegten Weg und ebenso grobe Schätzungen der Geschwindigkeit. Mehr aber auch nicht. Heute bedient man sich verschiedener Möglichkeiten:

Drifter (Treibkörper)
Moderne Nachfolger der Flaschenpost sind heute autonom arbeitende „Drifter“, die exakte Messdaten automatisch über Satellit an Datenzentren weiterleiten und den Wissenschaftlern und operationellen Vorhersagezentren (Wettervorhersagezentren) innerhalb von 24 Stunden weltweit zur Verfügung stehen. Für das globale Ozeanbeobachtungs-Programm Argo sind in den Meeren weltweit rund 3300 dieser mit modernsten Mess- und Sendeinstrumenten ausgerüsteten Geräte unterwegs.
Die Treibkörper sinken nach dem Aussetzen auf fast 2000 Meter Tiefe ab und treiben für 14 Tage auf diesem Tiefenniveau. Dann steigen sie an die Meeresoberfläche und messen während des Aufstiegs die Temperatur- und Salzgehaltsverteilung in der Wassersäule. Nach Übermittlung der Daten an die Satelliten und der Speicherung der Positionen sinkt der Drifter wieder hinab und beginnt einen weiteren 14 Tage-Zyklus. Mit Hilfe der Positionsdaten können die Strömungsverhältnisse in der Driftiefe und an der Oberfläche berechnet werden.  Die Bundesrepublik Deutschland beteiligt sich mit
50 Driftern pro Jahr an dem Programm, das hier durch das BSH betreut wird.
Oberflächendrifter, die ebenfalls weltweit im Ozean treiben, messen neben der Wassertemperatur und dem Salzgehalt meteorologische Parameter wie Luftdruck und -temperatur. Das globale Oberflächendrifterprogramm wird von der WMO (World Meteorological Organization) und der NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) koordiniert. Driftwege der derzeit mehr als 1100 Oberflächendrifter werden über Satelliten verfolgt und erlauben eine sehr genaue Bestimmung der lokalen Oberflächenströmungen.

 

Foto Argo Drifterl Argo Drifter

Stationäre Messungen
Mit stationären, das heißt fest im Meeresboden verankerten Stationen, werden lokal die  Strömungs- und Seegangsverhältnisse gemessen. Diese Messungen sind sehr kostspielig und stellen hohe Anforderungen an alle eingesetzten Materialien. Sie bieten den Vorteil langer Messzeiten und einer statistisch fundierten Bestimmung der mittleren Strömungen. Die Auslegezeiten der Messgeräte können dabei bis zu zwei Jahren betragen, danach müssen in der Regel die Verankerungen spätestens wieder aufgenommen, die Daten ausgelesen und die Messgeräte gewartet werden. Methoden zur Echtzeitübertragung der Daten über Glasfaserkabel sind seit neuestem im Einsatz, zum Beispiel im Tsunamiwarnsystem im Indischen Ozean. Im internationalen Verbund wird im Programm „Oceansites“ das weltweite Netz von Tiefseeverankerungen koordiniert. Im Bereich der Nord- und Ostsee betreibt das BSH an den MARNET-Positionen Strömungsverankerungen.

Strömungsmessungen mit Forschungsschiffen
Die Mehrzahl der Forschungsschiffe ist mit akustischen Strömungsmessern bestückt. Die Geräte nutzen für die Messungen die Dopplerverschiebung des ausgesendeten Schallsignals, um die Strömungsgeschwindigkeiten in der Wassersäule zu vermessen. Damit lassen sich im kontinuierlichen Betrieb entlang der Schiffsrouten die Strömungen bis in 2000 Meter Tiefe messen. Diese Daten werden in den nationalen Datenzentren gespeichert und können dort bestellt werden.

 

Gelbe Plastikentchen auf dem Weg durch die Weltozeane

Die Ozeanographie hat auch Kurioses zu bieten, nämlich knapp 30 000 gelbe Plastik-Badeentchen, die vor mehr als 15 Jahren im tropischen Pazifik im Sturm über Bord eines Containerschiffes gingen und seitdem an den Küsten des Pazifiks und Atlantiks gefunden werden. Der amerikanische Ozeanograph Dr. Curtis Ebbesmeyer widmet sich seit seiner Pensionierung der Verfolgung ihrer Ausbreitungswege.
Zwei Drittel der Plastikentchen sind nach Süden getrieben und an den Küsten Australiens, Indonesiens und Südamerikas gefunden worden. Das restliche Drittel aber hat eine lange Reise angetreten, die sie mehr als 15 Jahre später an die Küsten Englands geführt hat. Dazu mussten die Platikentchen zuerst einmal die Beringstraße durchqueren, die Alaska und Sibirien trennt. Für mehrere Jahre bahnten sie sich ihren Weg durch die eisige Arktis, um dann entlang der Ostküste Grönlands nach Süden zu strömen und letztendlich mit dem Golfstromausläufer, dem Nordatlantikstrom, eine weitere Schleife nach Nordwesteuropa zu schlagen. Damit liefern die Plastikentchen wertvolle Hinweise über die Strömungsverhältnisse in den Weltmeeren.

 

Strömungen im Meer: Neumayer und die Flaschenposten

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   © 2016 Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie Aktualisiert am: 24.10.2014 08:17:33  
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