25 Jahre nach Tschernobyl





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25 Jahre nach Tschernobyl

   
 
 

Auch das Meer hat ein Gedächtnis - Tschernobyl hinterlässt seine Spuren in der Ostsee


Vor 30 Jahren, am 26. April 1986 ereignete sich der Reaktorunfall in Tschernobyl in der heutigen Ukraine, der bisher folgenschwerste Unfall einer Nuklearanlage. Von dem folgenden radioaktiven Niederschlag waren vor allem die Ukraine, aber auch große Teile Europas in unterschiedlichem Maße betroffen. Im Meeresbereich betraf dies im Wesentlichen das Schwarze Meer und die Ostsee. Freigesetzt durch den Unfall wurden vor allem I-131, Cs-137 und Cs-134 neben einer Reihe anderer Radionuklide. Während die kurzlebigen Radionuklide wie Cs-134 (t½ = 2,07 a) und I-131 (t½ = 8 d) aufgrund ihrer physikalischen Eigenschaften schon lange vollständig zerfallen sind, lässt sich das langlebige Cs-137 (t½ = 30 a) in der Umwelt auch heute noch gut nachweisen und ist das wesentliche Nuklid für Dosisbetrachtungen.

Die Kontamination der Ostsee wurde von Anfang an von allen betroffenen Anrainerstaaten gemeinsam überwacht. Organisiert war und ist die Überwachung im Rahmen der HELCOM–Arbeitsgruppe ‚Monitoring of Radioactive Substances‘, kurz MORS, die unabhängig vom Unfall bereits im Frühjahr 1986 gegründet wurde. Von deutscher Seite arbeiten das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (ehemals Deutsches Hydrographisches Institut) und das Thünen-Institut (ehemals Bundesforschungsanstalt für Fischerei) in dieser Arbeitsgruppe mit. Diese Arbeitsgruppe hat bislang fünf periodische Berichte über den Zustand der radioaktiven Kontamination in der Ostsee veröffentlicht (Baltic Sea Environment Proceedings 31, 61, 85, 117 und 135, in Englisch)

Die Kontamination der Ostsee mit Cs-137 war regional sehr unterschiedlich und betrug im ersten Jahr örtlich bis zu ca. 1000 Bq/m³ Meerwasser. Im Vergleich dazu lag im Mittel die Aktivitätskonzentration für Cs-137 in der Ostsee vor dem Reaktorunfall bei etwa 15 Bq/m³. Schwerpunkt des radioaktiven Niederschlages war die nördliche Ostsee mit dem Finnischen Meerbusen, der Aaland- und Bottensee. Dort ist auch heute noch das Sediment der Ostsee stark kontaminiert mit bis zu 100 kBq/m² Cs-137. In den Folgejahren hat sich die Kontamination im Wasser der gesamten Ostsee entsprechend der Meeresströmungen verbreitet und beträgt heute in der westlichen Ostsee ca. 25 Bq/m³ Cs-137 und ist damit ungefähr zehnmal so hoch wie in der Nordsee. Im Sediment der westlichen Ostsee finden sich heute bis zu 5 kBq/m² Cs-137.

Trotz des relativ hohen Eintrages an künstlicher Radioaktivität sind die potenziellen Folgen für die Bevölkerung glücklicherweise gering. Die für die Bevölkerung aus dem Fischverzehr aus der Ostsee resultierende Dosis beträgt ca. 14 µSv pro Jahr bei einem angenommenen maximalen Verzehr von 90 kg Fisch pro Kopf (2010). Die gleichzeitig erhaltene Dosis aus den im Fisch enthaltenen natürlichen Radionukliden beträgt ca. 100 µSv pro Jahr, das Dosislimit für Bürger der EU beträgt amtlich 1000 µSv pro Jahr.

Der Tschernobylunfall ist für die Ostsee die dominierende Quelle für künstliche Radioaktivität, also Radioaktivität anthropogenen Ursprungs. Andere Quellen, wie der Niederschlag der Kernwaffenversuche und Einleitungen der europäischen Wiederaufarbeitungsanlagen spielen im Vergleich eine geringere Rolle. Der Eintrag der kerntechnischen Anlagen an der Ostsee ist dagegen völlig vernachlässigbar. In Bezug auf Cs-137 ist die Ostsee auch heute noch das am stärksten kontaminierte Meeresgebiet des Weltozeans. Global gesehen spielen allerdings sowohl der Tschernobyl- als auch der Fukushimaunfall nur eine geringe Rolle und tragen ca. 3 % bzw. 5 % zum weltweiten Inventar an Cs-137 im Ozean bei.

Das BSH und das Thünen-Institut überwachen die künstliche Radioaktivität in der Ostsee auf jährlichen Monitoringreisen mit eigenen Forschungsschiffen, deren Ergebnisse in den Jahresberichten ‚Umweltradioaktivität und Strahlenbelastung‘ des BMUB veröffentlicht und in die HELCOM-MORS-Arbeitsgruppe eingebracht werden. Das BSH betreibt darüber hinaus in Nord- und Ostsee ein Radioaktivitätsmessnetz mit 16 Messstationen als Frühwarnsystem zum Schutz der Bevölkerung. Sowohl die Ergebnisse der Monitoringreisen als auch die des Messnetzes gehen in das Integrierte Mess- und Informationssystem zur Überwachung der Radioaktivität in der Umwelt (IMIS) ein.

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 © 2017 Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie Aktualisiert am: 26.04.2016 12:21:03  
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