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BSH und DWD feiern 150 Jahre maritime Dienstleistung und Forschung in Deutschland


Hamburg, 22. Dezember 2017 - Mit einem Tag der offenen Tür, einer Ausstellung im Internationalen Maritimen Museum Hamburg unter dem Motto „Über Wasser – Unter Wasser – 150 Jahre maritime Dienste in Deutschland“ sowie Vorträgen auf verschiedenen Veranstaltungen erinnern das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) und der Deutsche Wetterdienst (DWD) an die Eröffnung der Norddeutschen Seewarte am
1. Januar 1868. Das Datum markiert den Beginn der maritimen Verwaltung, der Meeresforschung und der maritimen Meteorologie in Deutschland.

Das BSH und der DWD öffnen am 21. April 2018 von 10.00 bis 17.00 Uhr die Türen ihrer Dienstgebäude in der Bernhard-Nocht-Straße 76 und 78 in Hamburg. Sie zeigen ihre Arbeit zum Beispiel im Rahmen der Seevermessung, der Wracksuche und der Herstellung von Papier- und elektronischen Seekarten. Die Besucherinnen und Besucher erhalten Einblick in die Prüfung von technischen Ausrüstungen an Bord. Sie lernen die Aufgaben der Behörden im Rahmen der Offshore-Windenergie kennen. Wesentliche Geräte und Einrichtungen für die Datenerhebung in Atmosphäre und Meer können besichtigt werden. Erstmalig öffnet das BSH auch seine Labore zum Beispiel für die Kalibrierung von Geräten und die Einrichtung von Messketten zur Erhebung von Daten im Meer. Das Seewetteramt bietet einen Einblick in die Erstellung von Wettervorhersagen und Unwetterwarnungen, die Überwachung des weltweiten Klimas, die Wetterberatung von Kapitänen auf ihren Routen und für die Errichtung von Windkraftanlagen in der Deutschen Bucht. Auch Schiffstagebücher aus der Zeit der Norddeutschen und später Deutschen Seewarte werden ausgestellt.

Für Kinder gibt es auch ein Programm: Sie werden spielerisch an die maritimen und meteorologischen Themen herangeführt. Sie können dabei unter anderem ein „Kapitänspatent“ machen, Schadstoffe angeln, Flaschenposten basteln und als Würfelspiel die große Sommeraufnahme der Nordsee – eine jährlich stattfindende, sechs Wochen dauernde Forschungs- und Monitoringfahrt der BSH-Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zur Bewertung des Zustands der Nordsee – nachvollziehen.

Open Ship an den Landungsbrücken
Besucherinnen und Besucher haben die Möglichkeit, an den Landungsbrücken ein Vermessungs-, Wracksuch- und Forschungsschiff des BSH zu besichtigen und Einblick in die Arbeit an Bord zu gewinnen.

Gemeinsame Ausstellung im Internationalen Maritimen Museum Hamburg
Vom 2. Juni 2018 bis voraussichtlich 30. August 2018 stellt das Internationale Maritime Museum Hamburg (IMMH) in Zusammenarbeit mit BSH und DWD die Arbeit der verschiedenen Bereiche der beiden Behörden vor. Es führt die Besucherinnen und Besucher in die Vergangenheit der maritimen Aufgaben, zeigt die historischen Geräte und Arbeitsweisen und spannt den Bogen in die Zukunft. Das Museum wird erstmals unter anderem Originaldokumente des Gründers der Norddeutschen Seewarte, Wilhelm Ihno von Freeden, der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Für Rückfragen:
Susanne Kehrhahn-Eyrich
Pressesprecherin
Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH)
Tel.: 040/3190-1010
presse@bsh.de

Katrin Benner
Stellv. Pressesprecherin
Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH)
Tel.: 040/3190-1011
presse@bsh.de

Uwe Kirsche
Pressesprecher
Deutscher Wetterdienst (DWD)
Tel.: 069 8062 4500/4501
pressestelle@dwd.de

Geschichtlicher Hintergrund
Im Dezember 1867 zeigten Wilhelm Ihno Adolph von Freeden, Rektor der Großherzoglichen Oldenburgischen Navigationsschule in Elsfleth, die Hamburger und Bremer Handelskammern und 28 Reeder gemeinsam die Gründung der Norddeutschen Seewarte mit Sitz in Hamburg an. Wichtigste Bestimmung der privaten Institution sollte die Sicherung und Abkürzung weltweiter Schiffsreisen aufgrund nautischer, ozeanographischer und meteorologischer Informationen sein. Neben der praktischen Unterstützung der Schifffahrt sollte auch wissenschaftliche Arbeit geleistet werden, soweit dies für die Verbesserung der Seefahrt notwendig ist.
Am 1. Januar 1868 nahm die Norddeutsche Seewarte ihren Betrieb auf. Sowohl die Gewinnung und Verarbeitung der nautischen, ozeanographischen und meteorologischen Beobachtungen als auch der Vergleich der Ergebnisse von Instrumenten auf den Schiffen und Instrumenten in der Norddeutschen Seewarte gehörten zu den Maßnahmen, mit denen die Sicherheit und Leichtigkeit der Seeschifffahrt verbessert werden sollten. Die rund 850 Segelanweisungen, die von Freeden zwischen 1868 und 1875 schrieb, reduzierten die Reisezeit der Schiffe bei der Ausfahrt um rund 7 Tage, bei der Heimreise um rund 4 Tage. In seine Segelanweisungen integrierte er nautische, ozeanographische und meteorologische Daten, die ihm standardisiert von Schiffen im internationalen Verkehr übergeben wurden, die speziellen Erfahrungen des Kapitäns und die Eigenheiten des Schiffes. Von Freeden schuf auch einen Raum, in dem Kapitäne ihre Erkenntnisse und Erfahrungen austauschen konnten.
Im Jahr des Betriebsbeginns der Norddeutschen Seewarte entstanden auf seine Initiative der Nautische Verein zu Deutschland und der Nautische Verein Hamburg, gegründet an dem Standort, an dem heute das BSH in Hamburg seinen Sitz hat. Bereits 1867 war von Freeden an der Gründung der ersten deutschen Klassifizierungsgesellschaft, des Germanischen Lloyds, beteiligt.

1872 Private Einrichtung wird Reichsinstitut
1872 wurde die private Einrichtung „Norddeutsche Seewarte“ mit Zustimmung des Reichstags in „Deutsche Seewarte“ umbenannt. 1875 wurde sie per Gesetz in das Reichsinstitut „Deutsche Seewarte“ umgewandelt und der Admiralität unterstellt. Unter Leitung Georg von Neumayer entwickelte sie sich zu einer der international führenden Institutionen der maritimen Verwaltung, der Meeresforschung und der maritimen Meteorologie. An nahezu allen ozeanographischen Forschungsfahrten nahmen Mitarbeiter der Deutschen Seewarte in maßgeblicher Funktion teil. Aus der Deutschen Seewarte heraus wurde die Gründung des Lehrstuhls für Meereskunde an der Universität Hamburg initiiert und vorangetrieben. Die Lehre führten vor allem Mitarbeiter der Deutschen Seewarte durch. Den Kieler Lehrstuhl für Meereskunde übernahm ein Wissenschaftler der Seewarte. Die Polarforschung wurde im Wesentlichen von der Deutschen Seewarte initiiert und betrieben. Die Deutsche Seewarte wurde Zentralanstalt zur Förderung der maritimen Meteorologie und Zentralstelle für ausübende Wetterkunde, Küstenmeteorologie und Sturmwarnungswesen in Deutschland, die Vorläuferin des Seewetteramtes.
Die Sammlung nautisch-astronomischer und geodätischer Instrumente war eine Aufgabe der Deutschen Seewarte. Die Prüfung von nautischen Instrumenten - wie Sextanten, Kompasse, Chronometern, Präzisionsuhren, Thermo- und Barometern - war eine weitere zunehmend wichtige Aufgabe.

Auf die Zunahme der meereskundlichen Aufgaben reagierte die deutsche Seewarte 1911 mit der Einrichtung der Abteilung für Ozeanographie. 1924 nahm der Windstau- und Sturmflutwarndienst seine Arbeit auf.

1919 wurde die Deutsche Seewarte dem Reichsverkehrsminister unterstellt. 1934 teilte die Regierung die Zuständigkeit für die Hauptabteilung „Nautik und Hydrographie“ der Kriegsmarine zu, die Zuständigkeit für die Hauptabteilung „Wetterdienst“ dem Reichsminister der Luftfahrt.

1945 Gründung der zivilen Einrichtung „Deutsches Hydrographisches Institut“
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kamen die maritimen Dienste zunächst zum Erliegen. Sehr schnell erkannten vor allem die britischen Behörden die Notwendigkeit, diese Dienste weiter zu führen. Im Mai 1945 fassten sie die Aufgaben des hydrographischen Dienstes der Kriegsmarine, des Marineobservatoriums und der Deutschen Seewarte zu der zivilen Einrichtung „German Maritime Institute“, zusammen. Dem folgte im Dezember 1945 die Gründung des Deutschen Hydrographischen Instituts (DHI), in dem die nautischen und ozeanographischen Aufgaben der Deutschen Seewarte aufgingen. Zunächst verantwortete das DHI in allen vier Sektoren alle maritimen Aufgaben.

1946 Meteorologisches Zentralamt für Nordwestdeutschland gegründet
Die meteorologischen Aufgaben der Deutschen Seewarte übernahm das am 1. April 1946 gegründete Meteorologische Amt für Nordwestdeutschland. Es wurde 1952 in den neu gegründeten DWD überführt. Im DWD ist das Seewetteramt Hamburg schwerpunktmäßig für maritim-meteorologische Dienstleistungen und Forschung zuständig. In der 1949 gegründeten DDR nahm 1950 der Meteorologische Dienst (MD) seine Tätigkeit auf. Mit der Wiedervereinigung 1990 wurden dessen Aufgaben in den DWD integriert.

1948 Übernahme maritimer Aufgaben durch die DDR
Ab 1948 regelte die ehemalige DDR die Erfüllung der maritimen Aufgaben in eigener Verantwortung. Es entstanden Seevermessungsämter, die zu einem hydrographischen Institut –zusammengefasst wurden sowie der Seehydrographische Dienst der DDR. Die meereskundlichen Aufgaben des DHI in der Ostsee übernahm das Institut für Meereskunde in Warnemünde, das heutige Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde.

1990 Gründung des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH)
dem Gebiet des Flaggenrechts der Abteilung Seeverkehr des damaligen Bundesverkehrsministeriums in die Behörde. Mit der deutschen Einheit am 3. Oktober 1990 erhielt das BSH alle maritimen Aufgaben der ehemaligen DDR. Lediglich die zum BSH gehörenden meereskundlichen Aufgaben wurden beim Institut für Meereskunde belassen. Dessen Rechtsnachfolger, das Leibniz Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW), nimmt sie bis heute im Auftrag des BSH wahr. Rostock wurde am 1. Juli 1994 gleichberechtigter Dienstsitz des BSH. Heute ist das BSH Rostock das Zentrum der nautischen Hydrographie in Deutschland.

Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH)
Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) ist die zentrale maritime Behörde der Bundesrepublik Deutschland. Mit den Dienstsitzen in Hamburg und Rostock unterstützt die Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur als Partner für Seeschifffahrt, Umweltschutz und Meeresnutzung die maritime Wirtschaft, fördert die Sicherheit auf dem Meer sowie die nachhaltige Meeresnutzung, informiert über den Zustand von Nord- und Ostsee und stärkt über Monitorings den Umweltschutz.

Deutscher Wetterdienst (DWD)
Der 1952 gegründete Deutsche Wetterdienst (DWD) ist als nationaler meteorologischer Dienst Deutschlands mit seinen Wetter- und Klimainformationen im Rahmen der Daseinsvorsorge tätig. Er ist erster Ansprechpartner bei allen Fragen zu Wetter und Klima für Bürger, Behörden, Wirtschaft und Forschung. Der DWD erfasst, bewertet und überwacht mit seiner flächendeckenden und hochmodernen Infrastruktur die physikalischen und chemischen Prozesse in unserer Atmosphäre. Für seine Partner und Kunden hält er Informationen zum gesamten meteorologischen und klimatologischen Geschehen in Deutschland und weltweit bereit. Die wichtigsten Aufgaben des DWD sind die Wettervorhersage, die Warnung vor wetterbedingten Gefahren, die Überwachung des Klimas in Deutschland sowie die Bewertung von Klimaveränderungen und die Beratung bei Fragen zur Anpassung an den Klimawandel.

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 © 2017 Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie Aktualisiert am: 28.12.2017 08:43:53  
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